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| 19:14 Uhr

Kalte Dusche gefällig?

Michael Lenz betreibt seit 17 Jahren seine Auto-Waschstraße. Foto: Oliver Dietze
Michael Lenz betreibt seit 17 Jahren seine Auto-Waschstraße. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Einfach macht es uns dieser Sommer nicht, sich mit ihm anzufreunden. Doch hinter den dicken Wolken und der schwülen Hitze liegen kleine Geschichten, die es wert sind, ein wenig genauer hinzuschauen. Heute erzählt uns Waschstraßenbesitzer Michael Lenz, wer diese fiesen gelben Punkte auf unseren Autos hinterlässt. Die Fragen stellte SZ-Redakteur Alexander Manderscheid.

Herr Lenz, haben Sie in Ihrer Waschstraße schon mal eine Dusche genommen?

Lenz: Ja, fast täglich!

Wie, unfreiwillig?

Lenz: Nein. Wir müssen ja unsere Anlage kontrollieren, und weil die Walzen mit Wasser laufen, werden wir natürlich nass.

Das klingt aber unangenehm mit der ganzen Seife und alldem.

Lenz: Die Seife ist nicht das Problem, sondern die Schwüle. Das macht es sehr anstrengend im Sommer.

Wie oft sind Sie denn da so am Duschen?

Lenz: Manchmal bis zu 20 Mal an einem Tag. Wir müssen zum Kontrollieren rein, wenn das Trockengebläse ein Nummernschild weggeblasen hat oder eine Zierleiste abgegangen ist ...

Geht an den Autos denn viel kaputt in der Waschstraße?

Lenz: Nein, das nicht. In den ganzen 17 Jahren mit unserer Waschstraße hatten wir einen einzigen Kratzer im Lack, und das nur, weil an dem Auto ohnehin schon ein Teil lose war. Die Bürsten hatten es aufgegriffen und durch den Lack gezogen. Und bei einem von 20 000 Autos bricht vielleicht mal der Heckwischer ab, weil die nur noch aus Plastik sind.

Eben ist das Stichwort Schwüle gefallen.

Lenz: Dieses Jahr ist es extrem. Weil der Sommer so nass ist, wächst auf manchen Autos sogar Moos. Wir versuchen, es mit unseren Hochdruckgeräten aus den Falzen zu bekommen, das sind die Spalten zwischen angrenzenden Karosserieteilen.

Dann ist im Sommer anscheinend mehr los?

Lenz: Nein, im Frühling ist am meisten los, wenn die Leute das Streusalz von ihren Autos runter haben wollen. Im Sommer weniger, und das ist ein Problem. Nur weiß das keiner.

Warum ist das ein Problem?

Lenz: Die meisten Leute halten es nicht für nötig, ihr Auto im Sommer zu waschen. Aber im Sommer gibt es sehr aggressiven Dreck. Die kleinen gelben Punkte zum Beispiel, die man jetzt auf vielen Autos sehen kann, das ist Bienenkot mit mächtig Säure darin. Wenn man den nicht wegmacht, frisst er sich in den Lack hinein.

Welcher Dreck häuft sich im Sommer noch?

Lenz: Vogeldreck, ist auch sehr aggressiv. Oder Bremsenabrieb. Der frisst sich in die Felge und lässt sich irgendwann nicht mehr entfernen.

Also sollte man sein Auto doch öfter waschen. Auch im Sommer.

Lenz: Früher kamen die Saarbrücker zu automatischen Waschstraßen etwa zwölfmal pro Jahr, heute höchstens noch zweimal. Früher war es quasi eine Pflicht, am Wochenende sein Auto zu waschen. Heute stehen die Luxuskarossen vor dem Haus, werden aber kaum noch gepflegt. Ich gehe ja auch nicht mit einem dreckigen Hemd durch die Gegend. Im Prinzip wäre das das Gleiche.

Und wer sind die, die in die Waschstraßen fahren?

Lenz: Da gibt es die Routinewäscher, die nach der Uhr und nach dem Kalender kommen. Dann die, die erst auftauchen, wenn man die Farbe nicht mehr erkennen kann. Und die Autoliebhaber, die nach der Wäsche noch stundenlang die Scharniere putzen.

Welcher bestimmte Kunde kommt Ihnen jetzt in den Sinn?

Lenz: Wir nennen ihn den Oberförster. Er kommt regelmäßig mit 20 Kilo Matsch auf dem SUV vorbei und ist einer von den wenigen, die ihren Geländewagen noch dafür nutzen, wofür er geschaffen ist.

Michael Lenz, 51, betreibt seit über 17 Jahren eine Waschstraße im Osten von Saarbrücken mit drei Mitarbeitern. Trotzdem kennt er den US-Film "Carwash" aus den Siebzigern nicht. Das will er ändern.