Junges Talent hinter der Kamera

21 Jahre jung, aber im Filmgeschäft der Region schon eine bekannte Größe. Der Regisseur Jörn Michaely aus St. Ingbert tritt nun mit seinem neuen Film „Omas Ding“ bei den Filmfestspielen in seiner Heimatstadt an.

Jörn Michaely posiert abgeklärt und routiniert für das Foto, wechselt im Sekundentakt den Ausdruck von einem Lächeln über einen skeptischen und plötzlich ganz ernsten Blick mit Falten auf der Stirn - er weiß, was vor der Kamera zu tun ist. Eine ungewohnte Rolle für den 21-Jährigen, denn eigentlich ist der junge Filmemacher hinter der Kamera zu Hause und gibt vorzugsweise selbst Anweisungen. "Ich sehe mich nicht so gerne selbst. Ich stehe lieber neben der Kamera", sagt der gebürtige St. Ingberter, dessen siebter Kurzfilm, "Omas Ding", bei den Filmfestspielen in St. Ingbert ab Fronleichnam bis 29. Mai läuft. "Omas Ding" ist ein Film über eine einsame ältere Frau. "Oma" hat nach dem Tod ihres Mannes ihr "Ding", den Sinn und Inhalt ihres Lebens verloren. Früher war das Klavierspielen ihr "Ding", heute bleibt nur die Einsamkeit. Durch das Engagement ihrer Enkelin treten Klavier und Freude langsam wieder in ihr Leben.

"Wenn wir jetzt noch Erfolg hätten, das wäre was", sagt der 21-Jährige, der schon mit 15 begonnen hat, Filme zu machen. Als er 17 Jahre alt ist, läuft sein erster Kurzfilm "Weißer Kragen" beim Max-Ophüls-Filmfestival. "So viele Interviews habe ich noch nie in einer Woche gegeben", sagt er. Das sei Wahnsinn gewesen, sagt er, "echt richtig heftig. Da denkt man dann: Okay, jetzt läuft es. Ich bin auf dem richtigen Weg."

Noch vor dem Abitur erhält er die Bestätigung für das, was er eigentlich schon lange weiß: Er will Filme machen. Für seinen Traumberuf Regisseur aber ist er zu jung. Das Regie-Studium ist erst ab 21 Jahren möglich. Also macht er nach dem Abitur ein einjähriges Praktikum bei der Filmakademie Baden-Württemberg und beginnt danach, in Konstanz Literatur, Kunst und Medien zu studieren. Allerdings taktet er seinen Semesterplan so komprimiert, dass er nur für zwei bis Tage in der Woche in Konstanz ist. Er hat ja noch etwas anderes zu tun. Nebenberuflich arbeitet er als Kameraassistent, macht Plakate und kümmert sich um den Facebook-Auftritt des Merziger Zeltpalasts. "Dann bleibt aber nicht mehr viel Zeit", sagt er.

Außer vielleicht für die eigenen Filme . Und das so erfolgreich, dass er bei den "Weltfilmfestspielen der Union Internationale du Cinéma 2014" gleich für die beste Regie und den besten Nachwuchsfilm ausgezeichnet wird. Zwei seiner Kurzfilme laufen 2015 und 2016 beim Max-Ophüls-Festival. Momentan ist er in der finalen Phase der Produktion seines achten Films (Alan und Ellen). "Ich bin nicht gerne projektlos, da komme ich mir so unnütz vor", sagt Michaely.

Doch so selbstsicher er auch auftritt, so wenig ist er gefeit vor denselben Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten, die viele junge Menschen umtreiben. "Wollen die Menschen meine Filme überhaupt sehen? Kann ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten?" Existenzsorgen und Identitätskrisen - nur ein Thema, das er bereits in einem seiner Filme ("Leon lügt") aufgegriffen hat. "Die meisten Filme hatten schon immer etwas mit meinem Umfeld zu tun", sagt er. Aber einen Film zu machen, verlange von ihm auch eine gewisse Distanz.

Dabei will er mit seinen Filmen ganz nah ran an die Menschen mit ihren Sorgen und Ängsten. Will mit ihnen bewegen. "Dem habe ich mich verschrieben", sagt er, "dass die Zuschauer anfangen über ihr Handeln nachzudenken". Und als Saarländer will er das natürlich im Saarland machen. Auch den Festivalfilm "Omas Ding" drehte der junge Regisseur mit einem Team aus alten Kollegen aus der Region. Dadurch sei der Film aber auch ein ganz besonderer für ihn und "ganz nah an mir dran".

Für die Zukunft plant Michaely ein Spielfilmprojekt. "Aber die Pläne sind noch nicht so weit, dass es in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden könnte", sagt er.

Zum Thema:

Hintergrund Die 60 Siegerfilme aus zwölf thematischen Bundesfilmfestivals werden vom 26. bis 29. Mai in der St. Ingberter Stadthalle zu sehen sein und anschließend prämiert. Sechs Autoren werden mit dem "Obelisken", dem höchsten deutschen Preis für einen nicht-professionellen Film, ausgezeichnet. red