Junge Leute im Fokus der Kulturmacher

Die „Generation Internet“ für Theater und Kultur begeistern – wie geht das? Vier langjährige Kulturmacher haben versucht, beim Kultursalon im Saarländischen Staatstheater darauf eine Antwort zu finden.

"Man darf wohl sagen, dass wir heute hier eine Expertenrunde für Junges Theater haben", Dagmar Schlingmann , Generalintendantin des Saarländischen Staatstheaters, begrüßt die vielen Gäste am Sonntagmorgen zum zweiten Kultursalon im Mittelfoyer des Staatstheaters in Saarbrücken . "Kultur für junge Leute" steht auf dem Programm. Kultur für Generationen bereitstellen, die es gewohnt sind, in der Schnelllebigkeit der Neuen Medien von einem (kulturellen) Trend zum nächsten getrieben zu werden.

Roland Mönig, Direktor des Saarlandmuseums, Christoph Diem, künstlerischer Leiter der Sparte 4, Petra Lamy, Leiterin der privaten Schauspielschule "acting and arts", sowie Bob Ziegenbalg, künstlerischer Leiter des Theater Überzwerg in Saarbrücken , stellen das Expertenpodium, das "Kultur für junge Leute" aus unterschiedlichen Sichtpunkten heraus beleuchtet und darstellt. Ehe Moderatorin Ilka Desgranges das Wort ergreift, lädt das Intensiv-Theater das Publikum zu einer Performance aus der aktuellen Produktion "Jesus Christ Superstar " ein.

Junge Menschen für Kultur begeistern und schließlich gewinnen - auf verschiedene Arten setzen sich die vier Experten des Podiums täglich genau damit auseinander. Seit knapp zehn Jahren etwa gibt es die Sparte 4 in der Eisenbahnstraße; Jugendliche kamen zu Anfang eher weniger. Leiter Diem: "Wir haben ins Publikum gesehen, wen wir haben. Familien, klar. Auch mal Schüler und Studenten, aber weniger. Die Kohorte 25 bis 40, die fehlte." Und da versuchte Diem anzusetzen, diejenigen ins Theater , zur Kultur, zu bewegen, die, aus welchen Gründen auch immer, fortblieben.

"Theater ist für jeden!", sagt Bob Ziegenbalg, man müsse sich letztlich voll und ganz darauf einlassen, mit Kindern zu arbeiten. "Und das ist richtig toll!" Die Arbeit beim Theater Überzwerg richtet sich teilweise ganz explizit an seine jungen und jüngsten Zuschauer. Auch Roland Mönig schließt sich an, Kinder und Jugendliche müssen in die Kultur integriert werden. Im Saarlandmuseum finden regelmäßig Angebote und Workshops statt, die für alle Altersgruppen etwas bieten. "Wir lassen Jugendliche auch über die Hintertür herein", erklärt Mönig. Lehrerfortbildungen und Kooperationen mit Schulen können eine gute Richtung sein, junge Menschen für Kultur zu sensibilisieren. Petra Lamy bietet in ihrer Schauspielschule Raum für die unterschiedlichsten Menschen: "Es kommen Leute mit Flausen im Kopf, es kommen Leute, die sich einen Lebenstraum erfüllen." Vor allem muss ein Wunsch dahinter stehen - und Teamgeist.

"Die Kunst ist kein Selbstläufer, es geht nicht von allein", stellt Mönig als Aussage in den Raum und trifft damit einen Punkt. Eltern, Großeltern, Erzieher, Lehrer - um Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig zu erreichen, muss man weiter ausholen. "Die Aufgabe muss außerdem sein", sagt Ziegenbalg, "eine Konfrontation zu suchen, die jungen Leute wieder anzusehen und das Gespräch nicht abreißen zu lassen." Themen, die die "Generation Internet " bewegt, müssen angesprochen werden, gerade in der Kunst. "Bilder sind im Netz allgegenwärtig, aber die Jugendlichen wissen nicht mehr, wie sie die lesen müssen." Roland Mönig sieht, wie auch Petra Lamy, die Überforderung der Jungen - schulisch und zeitlich. "Eine Aufgabe der Gesellschaft muss es sein, die jungen Leute so freizustellen, dass sie die Chance erhalten, den Kopf für die Kultur freizuhaben!"