Junge Filmer, und wie sie die Welt sehen

Zum neunten Mal findet der grenzüberschreitende Video-Wettbewerb Créajeune für junge Leute statt. Nach Stationen in Luxemburg und Metz zeigt Saarbrücken nun die Filme, die Kinder gedreht haben.

Freitagmorgens um acht Uhr treffen sich vier Jungen aus Saarbrücken und drei Mädchen aus dem französischen Saaralbe am Hauptbahnhof in Saarbrücken - die Mitarbeiter vom Filmbüro haben sie als Jugendjury des Filmwettbewerbs der Großregion "Créajeune" ausgewählt. Müde und angespannt warten die Jugendlichen auf ihren Zug nach Metz, wo sie den restlichen Teil der Jury treffen. Sie machen sich an diesem regnerischen Tag auf den Weg, um für den ersten Teil des dreiteiligen Wettbewerbs 26 Filme anzusehen und zu bewerten.

Créajeune ist ein grenzüberschreitender Wettbewerb für junge Filmer aus dem Saarland, aus Lothringen und Luxemburg, der in drei Etappen an drei Orten stattfindet. In Metz werden die Filme der Jugendlichen gezeigt und bewertet. Eine Woche später sind in Luxemburg die Filme der jungen Erwachsenen dran. Und zum Abschluss in dieser Woche richtet Saarbrücken den Wettbewerbsteil für Filme von Kindern bis zwölf Jahre aus.

Das Besondere bei Créajeune: Jury und Filmemacher haben dasselbe Alter. Nach Metz fahren also Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren und bewerten zwei Tage lang im Théâtre Saulcy die Filme ihrer Altersgenossen.

Eine Woche später wiederholt sich diese Prozedur. In Luxemburg treffen sich zehn junge Erwachsene zwischen 19 und 30 Jahren. Zwei Tage verbringen sie hier und arbeiten intensiv an der Entscheidung. "Es war nicht einfach, wir haben viel diskutiert", erzählt Habib Flaha am Abend vor der Preisverleihung - mehr will er aber noch nicht verraten. Habib ist ein außergewöhnliches Jurymitglied, vor weniger als einem Jahr ist er als Flüchtling nach Saarbrücken gekommen und macht nun ein Praktikum beim Filmbüro.

Dann beginnt die Vorstellung. Alle sitzen gespannt auf ihren Kinositzen in der Cinémathèque in Luxemburg. In der ersten Reihe die Jury. Filmemacher und Interessierte weiter hinten im Zuschauerraum. Die eingereichten Filme könnten fast nicht unterschiedlicher sein und zeigen, was junge Leute in der Großregion gerade beschäftigt - aus einer persönlichen und unperfekten Sicht wie man sonst selten zu sehen bekommt.

Auf wahre Begebenheiten etwa stützt sich ein Film des Jugendzentrums in Völklingen. Im Video sieht man die Absurdität von Vorurteilen, die überall verbreitet sind. "Die Polizei kam ins Jugendzentrum und hat einen Mann mit Bart gesucht", erzählt Lupo bei der anschließenden Fragerunde. In dem Film sieht man, wie die Polizisten wahllos einen ausländisch aussehenden Jugendlichen mitnehmen: "Die sehen doch alle gleich aus".

Gewinnen tun in Luxemburg andere Filme - aber die kommen ebenfalls aus dem Saarland: Einen ernsteren Film, der aber auch auf wahren Begebenheiten beruht, präsentiert die Fairtrade Initiative. Peter Weichardt hat in "Flucht" mit Flüchtlingen ihre Geschichte der Flucht aufgearbeitet. Der bewegende Animationsfilm gewinnt in Luxemburg eine Anerkennung.

Den ersten Preis bei Créajeune 2017 gewinnt Susanne Schöla, ebenfalls aus dem Saarland. Die Idee für ihren Film, erzählt sie, kam ihr während eines Praktikums in einer Unternehmensfilm-Firma. Mit einfachen Mitteln filmt sie ihren Arbeitsplatz. Anfangs noch ruhig, kommt immer mehr Bewegung und Stress ins Bild. Die Kaffeetasse fällt um, verzweifelt versucht die Person, deren Gesicht man nicht sieht, immer weiter ihre Arbeit zu bewältigen.

Am Donnerstag und Freitag macht Créajeune in Saarbrücken Station. Eine Jury aus Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren wird dann die Wettbewerbsbeiträge ihrer Altersgenossen beurteilen. Die Filme laufen im Kino Achteinhalb (Nauwieser Straße 19) und im Filmhaus (Mainzer Straße 10). Die Preisverleihung ist am Freitag, 3. Februar, 17 Uhr, im Kino Achteinhalb . creajeune.eu