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Junge Europäer tanzen für die Stimmlosen

Das Tanzstück „Ohne Stimme” wurde vor einigen Tagen in Rumänien uraufgeführt. Foto: Carsten Thiele
Das Tanzstück „Ohne Stimme” wurde vor einigen Tagen in Rumänien uraufgeführt. Foto: Carsten Thiele FOTO: Carsten Thiele
Saarbrücken. Zwei Wochen lang haben junge Leute aus Saarbrücken, Lothringen und Sarajevo mit Gleichaltrigen in Rumänien ein Tanzstück erarbeitet und einstudiert. Die Uraufführung war vor wenigen Tagen im rumänischen Targu Jiu. Im kommenden Jahr soll das Stück in Saarbrücken aufgeführt werden. Martin Rolshausen

"Nur einen Spalt", sagt Heiner Buchen, habe man "die Tür geöffnet". Mehr sei kaum möglich gewesen innerhalb von nur zwei Wochen. Das Thema sei zu groß, zu vielschichtig. Man könne es "wohl nie ganz fassen", sagt Heiner Buchen. Er ist katholischer Pastoralreferent im Dekanat Saarbrücken. Das Thema mit dem er, elf weitere Betreuer und 58 Jugendliche aus Saarbrücken, Lothringen, Sarajevo und Rumänien sich bei einem Sommerworkshop im rumänischen Targu Jiu 14 Tage lang beschäftigt haben, ist die Vergangenheit und Gegenwart der Sinti und Roma .



"Das Image der Sinti und Roma ist schlecht. Das ist auch in Rumänien so", sagt Heiner Buchen. "Was wir mitbekommen und was unser schlechtes Bild prägt, das sind aber nur schwierige Fälle. Aber es sind nicht alle Sinti und Roma so wie die, über die in den Medien dann immer wieder berichtet wird. Die meisten von ihnen leben ihr Leben in ihrer Kultur", sagt Buchen.

Die Jugendlichen haben sich mit dieser Kultur auseinandergesetzt, sich mit der Geschichte der Sinti und Roma beschäftigt, "mit dem Völkermord während der Nazizeit und der Situation heute in Europa", wie Buchen sagt. Aus all dem wurde dann mit der Choreografin Daniela Rodriguez aus Köln ein Stück entwickelt. Der Musiker Carsten Thiele, der ebenfalls aus Köln angereist war, hat Gedichte aus der Romakultur vertont. Und aus all dem wurde ein einstündiges Stück, in dem die jungen Leute zu verschiedenen Stilen des HipHop tanzen.

Die Auseinandersetzung mit den Sinti und Roma , denen, die, wie Buchen sagt, in Europa "ohne Stimme" leben, sei aber nur ein Schwerpunkt des Projekts. Der andere: "In Zeiten, in denen Europa scheinbar auseinanderdriftet, begegnen sich hier junge Europäer und tanzen miteinander", schwärmt Buchen.

Wobei dieses Tanzen nicht mit der Uraufführung des "Ohne Stimme"-Stücks vor einigen Tagen in Rumänien vorbei sein soll. Im kommenden Jahr, so hoffen die jungen Leute, wird das Stück beim Perspectives-Festival oder beim neuen saarländischen Festival für Jugendkultur zu sehen sein.

Das Sinti-und-Roma-Stück ist nicht das erste Tanz-Projekt, das Buchen leitet. 2013 ging es auf den Spicherer Höhen um die feindselige Vergangenheit zwischen Deutschen und Franzosen, 2014 in Sarajevo um den Krieg. Auch das Sarajevo-Stück hatte es aufs Perspectives-Festival geschafft. "Deshalb hoffen wir, dass wir auch dieses Stück in Saarbrücken und Forbach zeigen können im nächsten Jahr", sagt Buchen.

ohnestimme.wixsite .

com/sintiundroma