Jung, schwanger, allein gelassen

Am 11. Juli hat das Stück „Immer wenn es nachts dunkel wird“ im Theater Überzwerg Premiere. Sechs Nachwuchsschauspielerinnen schlüpfen dabei in die Rollen von jungen Schwangeren. Als Vorbereitung zogen sie mit ihren „Bäuchen“ durch die Innenstadt und ernteten auch mitleidige Blicke.

"Das war ein unangenehmes Gefühl", sagt Ariana Emminghaus. Mit 15 Jahren schwanger. Auf sich alleine gestellt. Kein Mann, keine Familie. Sechs junge Frauen aus dem Jugendclub des Theaters Überzwerg haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Am eigenen Leib haben sie die Reaktionen von Passanten auf der Straße erfahren. Um die drei schwangeren 15-Jährigen aus dem Theaterstück "Immer wenn es nachts dunkel wird" authentisch spielen zu können, haben sich die sechs jungen Frauen Bäuche umgeschnallt und einen Tag in der Saarbrücker Innenstadt erlebt.

Unter der Leitung des Regisseurs und künstlerischen Theaterleiters Bob Ziegenbalg bereitet sich der Jugendclub auf die Premiere am 11. Juli vor. "Wir haben uns extra jung verkleidet: Ich hatte eine Glitzerweste, ein lila T-Shirt und rosa Armbänder an", erklärt Hannah-Lisa Paul. In Wirklichkeit haben die sechs Mädchen alle gerade Abitur gemacht und sind 18 oder 19 Jahre alt.

Erste Reaktionen auf die "Schwangeren" kamen von sechs Männern: Sie haben die jungen Frauen einfach ausgelacht. Andere boten ihre Hilfe an, beeilten sich an der Kasse oder standen auf, um einen Platz im Bus frei zu machen. Von einer echten jungen Schwangeren ernteten sie nur mitleidige Blicke. Manche Leute drehten sich mit Verachtung um oder machten die Gangart der Mädchen nach. Ein älterer Mann lächelte und freute sich über den Anblick.

Auf ihre Rolle konzentriert bemerkten die jungen Frauen nicht alle Reaktionen, wie sie später vom Kamerateam erfuhren, das im Hintergrund alles gefilmt hat. "Es war komisch, ich habe als ‚Unschwangere' viel mehr komische Blicke bemerkt als Ariana", wundert sich Milena Plach. Sie musste früher "entbinden", weil die Naht ihres "Bauches" gerissen war. Einer 4- oder 5-Jährigen hatte es glatt die Sprache verschlagen, als sie die sechs "schwangeren" Mädchen nebeneinander um eine Litfaßsäule sitzen sah. Ungläubig strich sie über jeden einzelnen Bauch und fragte dann, wie die Babys heißen sollen.

Ganz sicher wissen die jungen Frauen jetzt besser, wie man sich als junge Schwangere fühlt. Kinder möchten sie im Moment auf keinen Fall haben, das wäre viel zu früh, sagen sie. "Das schwierige am Theaterstück ist diese belastende Situation, sowohl körperlich, als auch seelisch", meint Ariana.

Regisseur Ziegenbalg hat außerdem ein Gespräch mit einem Frauenarzt organisiert, der von seinen Erfahrungen mit jungen Schwangeren berichtet. Die jungen Mädchen hätten oft Angst davor, mit den Eltern zu reden. Sie wollten es alleine, zusammen mit dem Freund, schaffen. "Und dann passiert es wohl oft, dass der Freund einfach verschwindet", erzählt Ariana. "Es ist wichtig, die jungen Leute rechtzeitig an dieses Thema heranzuführen, Mädchen und Jungen ihre Verantwortung und die Folgen aufzuzeigen - auch wenn es kein angenehmes Thema ist", meint Ziegenbalg. Die Lehrer würden diese unangenehme Aufgabe oft nicht übernehmen, also warum nicht zum Thema für ein Theaterstück machen?

Das Theater Überzwerg in St. Arnual bietet einen Kinderclub ab sechs Jahren und drei Jugendclubs bis 20 Jahren an. Hier erarbeiten Kinder und Jugendliche zusammen Theaterstücke . Der Jugendclub 3 (16 bis 20 Jahre) hat am Freitag, 11. Juli, um 19.30 Uhr mit dem Stück "Immer wenn es Nacht wird" von Arlette Namiand Premiere. Empfohlen wird das Stück ab Klassenstufe 10, es ist aber je nach Entwicklung und Reife auch für ein jüngeres Publikum geeignet.