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Jugendliche Tänzer erinnern an Beginn des Ersten Weltkriegs

Jugendliche Tänzer erinnern an Beginn des Ersten Weltkriegs

Wenn junge Menschen Geschichte lernen, dann muss es nicht immer aus dem Schulbuch kommen. Pastoralreferent Heiner Buchen lässt Jugendliche in Sarajevo Geschichte tanzen. Dieses Mal den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Es klingt zunächst skurril: Die katholische Kirche schickt Jugendliche für zwei Wochen nach Sarajevo , um dort den Beginn des Ersten Weltkriegs und den Jugoslawien-Konflikt im Tanz zu erfahren. 21 Mädchen und Jungen aus Saarbrücken und 13 aus der französischen Grenzregion brechen dazu heute in die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina auf. Doch hinter dem Ferientrip steckt ein ernsthaftes Anliegen: "Die jungen Teilnehmer werden zu einem extra komponierten Klangteppich aus Hip-Hop-Rhythmen und Kriegsgeräuschen tanzen. Sie bekommen auf diese Weise Zugang zu den beiden Konflikten, ohne dass es billig wirkt", erklärt Pastoralreferent Heiner Buchen (57). In Sarajevo trifft die junge Delegation auf zehn rumänische sowie 15 bosnische Jugendliche. Jeden Tag werden die 13- bis 20-Jährigen dem Seelsorger vom Saarbrücker Dekanat zufolge dann mit Hip-Hop für fünf Stunden europäische Kriegsgeschichte bearbeiten. In zwei Wochen soll ein Bühnenstück entstehen, das auch in Saarbrücken aufgeführt werden soll. Eine Choreografin aus Köln unterstützt die Gruppe dabei. Für Buchen ist der Balkan-Trip auch eine Begegnungsreise: "Junge Leute mit verschiedenen kulturellen Hintergründen gestalten etwas gemeinsam. Sie begreifen so, dass multikulturelles Leben eine Bereicherung ist. Das beugt Rassismus vor." Wichtig ist dem Seelsorger auch, den Jugendlichen die Verbindung beider Kriege zu verdeutlichen: "Der Beginn des Ersten Weltkriegs hat heute noch in Sarajevo politische Nachwehen. Einige bosnische Serben feiern den Attentäter des österreichischen Thronfolgers Gavrilo Princip heute noch als Helden." Johanna (15) aus Saarbrücken tanzte schon in Buchens letztem Stück "Grenzerde" mit, in dem die Tänzer die deutsch-französische Schlacht bei Spichern 1870 dargestellt hatten. In Sarajevo ist sie wieder dabei: "Wir haben den Konflikt damals als Hiphop-Battle dargestellt. Wir haben gegeneinander getanzt, nur getrennt durch ein Seil am Boden. Irgendwann ist die Grenze gefallen und wir haben so getan, als erschießen wir uns." Latifa (18) aus Saarbrücken freut sich auf den Balkan : "Ich bin neugierig auf Sarajevo und das multikulturelle Leben. Man wird dort morgens vom Muezzin geweckt, und erst eine Stunde später läuten dann die Kirchenglocken."

Die Jugendlichen halten in den nächsten zwei Wochen Interessierte online auf dem Laufenden unter www.sarajevo14.eu .