Jugendliche radikalisieren sich schneller

Rund 870 Menschen sind bisher aus Deutschland in den Dschihad, den Heiligen Krieg, gezogen. Auf einer Fachtagung des Vereins zur Förderung der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe stand der Dschihadismus im Fokus.

"Wegducken geht jetzt nicht mehr." Es klang nach einem Appell und einem Weckruf, den Jörg Klein, Erster Kriminalhauptkommissar im saarländischen Landeskriminalamt, an sein Publikum richtete. Auf einer Fachtagung des Vereins zur Förderung der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe (BWH) in Saarbrücken zum Thema Dschihadismus berichtete Klein über seine Erfahrung mit jungen Menschen, die sich radikalisieren, über die Arbeit von Ermittlern, die oft machtlos sind, und von Netzwerkansätzen, die eine Radikalisierung verhindern könnten. Klein war im Jahr 2007 als Chef-Ermittler des saarländischen Staatsschutzes an der Enttarnung der Sauerland-Gruppe beteiligt.

Laut einer Studie des Bundesinnenministeriums sei es ein Trugschluss zu glauben, dass es ein Stereotyp, also einen "Durchschnitts"-Dschihadisten, gibt. In den vergangenen zehn Jahren konnten die Ermittler feststellen, dass die Radikalisierung junger Menschen über soziale Netzwerke immer schneller geschieht. Das stellt Bewährungshelfer, aber auch andere Berufsgruppen, die mit jungen Menschen arbeiten, vor Herausforderungen.

Mit der Geschichte des jungen Saarländers Eric B., der innerhalb kürzester Zeit zum radikalen Dschihadisten wurde, konnte Klein darlegen, wie wichtig ein Netzwerk zwischen Sicherheitsbehörden, Staatsanwälten und Sozialverbänden im Kampf gegen Radikalisierung wäre.

Aktuell gibt es im Saarland zwar keine konkreten Hinweise auf eine akute Gefährdung durch Dschihadisten . "Es wäre jedoch fatal zu glauben, dass die Ermittler den Tätern immer einen Schritt voraus wären", mahnte Klein. Deradikalisierung lautet die Devise, und das mit möglichst vielen Partnern. "Oftmals ist es nur ein Moment im Leben junger Menschen, der die Richtung entscheidet, ein Moment, in dem sie nach einfachen Antworten suchen", mahnte Klein. Einfache Antworten, die der Dschihadismus gibt. In dieser Situation, appellierte Klein, brauche es Hilfsangebote, die zur Deradikalisierung beitragen. Und eine Gesellschaft, die bereit ist, diese Menschen wieder zu integrieren.