Jugendhilfsverein Chance feierte 25. Geburtstag

Saarbrücken. "Als wir heute Morgen aufgebaut haben, hat's noch in Strömen geregnet", sagt die 17-jährige Vanessa (Name geändert) im Rondell am Bürgerpark. "Ich muss heute bis halb fünf bleiben, dann bin ich mit meinen 50 Arbeitsstunden fertig

Saarbrücken. "Als wir heute Morgen aufgebaut haben, hat's noch in Strömen geregnet", sagt die 17-jährige Vanessa (Name geändert) im Rondell am Bürgerpark. "Ich muss heute bis halb fünf bleiben, dann bin ich mit meinen 50 Arbeitsstunden fertig."Vanessas letzte, richterlich verfügten Arbeitsstunden bei "Chance - Ambulante Maßnahmen für straffällig gewordene Jugendliche" fielen zusammen mit dem 25-jährigen Jubiläum des Vereins, das mit einem großen Fest im Rondell gefeiert wurde. Auf der Bühne gratulierten Regionalverbandsdirektor Peter Gillo, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, Polizeichef Peter Becker und Wolfgang Kuhl vom Justizministerium dem Chance-Team zum erfolgreichen Jubiläum.

Vanessa und die anderen Jugendlichen schleppen Getränkekisten, räumen Geschirr ab. Vanessa ist eine von etwa 150 straffällig gewordenen Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren, die jährlich bei "Chance" pädagogisch betreut werden und nach richterlicher Anweisung zur Ableistung von Arbeitsstunden verurteilt wurden.

"Zu uns kommen keine Bagatelltäter", erklärt Sozialpädagoge Claus Richter, Abteilungsleiter bei "Chance", "sondern Jugendliche, die mehrfach oder schwerwiegend aufgefallen sind. Bei uns steht jedoch nicht die Tat im Vordergrund."

Die meisten Jugendlichen kommen aus minder privilegierten Stadtteilen, leben in prekären Lebenssituationen. Bei "Chance" arbeiten sie ihre Arbeitsstunden im Forst oder in der Holzwerkstatt ab. Jugendliche, die zur Betreuungsweisung kommen, können sich handwerklich in der Holzwerkstatt betätigen oder aber sportlich - wie beispielsweise die Trial-Fahrrad-Gruppe zeigt. Die Jugendlichen balancieren ihre Räder über die Stufen des Rondells. Ein Geschicklichkeitssport, der mit waghalsigen Fahrradmanövern die ganze Konzentration fordert.

Vanessa findet die Trail-Show "cool". Aber "Chance" bietet noch mehr. "Wir machen den Jugendlichen klar, dass wir kein verlängerter Arm der Justiz sind. Wir begleiten sie zu Ämtern und helfen ihnen, ein geregeltes Leben zu beginnen", sagt Richter.

Für Vanessa, die obdachlos war, wurde eine betreute Mädchen-Wohngemeinschaft in Saarbrücken gefunden. Ihre Strafakte, sagt sie, passe in keinen Ordner. Darunter fallen Delikte wie Raub, Diebstahl, schwere Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Ihre Stunden bei Chance arbeitete sie im Wald ab. "Wir haben Wege befestigt, Holz gesammelt." Auch die Arbeit in der Holzwerkstatt hat ihr Spaß gemacht. ceg