Jochen Kuttler beerbt Fredi Dewald

Jochen Kuttler wird neuer Rathauschef in Wadern. In der Stichwahl am Sonntag holte er 349 Stimmen mehr als Daniel Hoffmann, CDU. Kuttler von Pro Hochwald erhielt 52,06 Prozent, Hoffmann 47,94 Prozent.

Fassen kann Waderns künftiger Bürgermeister seinen Triumph auch am Morgen danach noch nicht - trotz der ausgiebigen Siegesfeier mit seinen Wahlhelfern bis vier Uhr am Montag. "Das muss sich erst setzen", sagt der 43-Jährige, der für Pro Hochwald in die Stichwahl gegangen ist.

Zwei Dinge stehen fest: Am 3. November wird Kuttler seinen Stuhl in der Redaktion des Wochenmagazins Télécran in Luxemburg mit dem Chefsessel im Waderner Rathaus tauschen - als Nachfolger von Fredi Dewald, SPD, der in den Ruhestand geht. Und: Am kommenden Sonntag fliegt er zunächst für eine Woche nach Teneriffa - "zur ersten Pauschalreise meines Lebens", wie er gesteht. "Nach gut sechs Monaten Wahlkampf will ich einfach mal ausspannen."

Rückblende: Pfingstsonntag, 18.39 Uhr: Jochen Kuttler reißt die Arme hoch. Das Ergebnis aus dem Wahllokal links des Nunkircher Baches ist eingelaufen und beschert ihm die endgültige Gewissheit, die Nase vorn zu haben. Insgesamt 4406 Wähler der 13 328 Stimmberechtigten (52,06 Prozent) wollen ihn als neuen Verwaltungschef - 349 mehr als seinen Mitwerber Daniel Hoffmann. Dem Kandidaten der CDU bescheren die Waderner 4057 Stimmen (47,94 Prozent). Kuttlers Satz: "Jetzt ist die Sache gelaufen", geht in dem Jubel seiner Mitstreiter unter. Bernd Theobald, designierter Fraktionschef für Pro Hochwald im Waderner Stadtrat, vertauscht den Stift, mit dem er eifrig Zahlen notiert hat, mit einer Flasche Bier, will sich einen Schluck auf den Sieg genehmigen. Doch dazu kommt er nicht, die Glückwunsche gehen vor. "Lass dich umarmen", bittet Kuttler jeden einzelnen seiner Leute.

Freundschaftlich drückt Verlierer Hoffmann Kuttler im Flur des Rathauses die Hand, gratuliert. "Der Wähler hat so entschieden", sagt der Christdemokrat. "Unser Team hat einen großartigen Wahlkampf gemacht. Doch es hat leider nicht gereicht." Dabei blickten er und seine Helfer optimistisch dem Ausgang der Wahl entgegen. In Lockweiler, im Löstertal, in Wadrill, Gehweiler, Krettnich oder Wedern punkteten sie am Sonntag. In Büschfeld, dem Heimatort von Hoffmann, ließ er Kuttler um mehr als 200 Stimmen hinter sich. "Es waren die großen Stimmbezirke, die Jochen den Sieg brachten", bilanziert er mit Blick auf das Ergebnis aus der Kernstadt Wadern. Was Kuttler freut: "Dagstuhl, das bislang von der CDU dominiert wurde, haben wir gewonnen. Und Noswendel haben wir 60,61 Prozent aller Stimmen eingefangen."

Besonders stolz blickt er auf die Zahlen aus Nunkirchen, dem Stadtteil, wo er zuhause ist und sich als Ortsvorsteher engagiert. Mit 79,08 Prozent haben ihm die Nunkircher bayerische Verhältnisse präsentiert. "Für mich ist das Ergebnis ein Beweis, dass man mit Engagement und Ideen Leute begeistern und mitreißen kann", kommentiert Kuttler die Zahlen.

"Wir haben eine Bücherei aus dem Boden gestampft, haben Kultur am Tor ins Leben gerufen, den Hannejuschtweg gebaut und vieles renoviert, zum Beispiel den Saalbau." Das Engagement in seinem Heimatort soll zum Modell für ganz Wadern werden. Als erste Amtshandlung will er mehr Transparenz wagen, wie er sagt. "Die Waderner sollen wissen, was in ihrer Stadt passiert, erfahren, wo wir finanziell stehen, was wir uns leisten können und was nicht." Weiteres Ziel: Der Umbau des Rathauses zu einem modernen Dienstleistungszentrum. "Ich habe die Mitarbeiter als engagiert und sehr freundlich kennengelernt. Mit ihnen wird dies gelingen."

Sein Amt als Ortsvorsteher wird Kuttler seinem Stellvertreter Frank Hiery übertragen. "Damit ist Kontinuität gegeben." Derweil will Hoffmann, Spitzenkandidat der CDU im Stadtrat, nach seinem Bekunden das Mandat annehmen und sich damit weiter für die Stadt Wadern engagieren.