Jetzt jazzen sie wieder

Rund 25 Jahre lang betreute Hans Husel die legendäre Reihe für Improvisierte Musik. Nach einem Jahr Pause lebt sie jetzt unter Leitung von Stefan Scheib im Saarländischen Künstlerhaus wieder auf.

Hans Husel (1999). Foto: Fine Art Foto: Fine Art

Wenn man die Namen all der Musiker Revue passieren lässt, die Hans Husel nach Saarbrücken holte, könnte man fast ehrfürchtig werden. Anthony Braxton, Steve Lacy, Barry Guy, Tony Oxly, David Murray, Alexander von Schlippenbach, Hans und Conny Bauer, Albert Mangelsdorff, Franz Koglmann, Louis Sclavis - sie alle und noch mehr traten ab 1985 auf in Husels legendärer "Reihe für Improvisierte Musik". In den ersten 15 Jahren fand die Konzertreihe in der Stadtgalerie statt. Dort war Husel zwar als Grafiker angestellt.

Als leidenschaftlicher Fan von Jazz und Freejazz, aus dem sich die Improvisierte Musik entwickelte, konnte er den damaligen Galerie-Leiter Bernd Schulz aber leicht überzeugen, dass diese spannende Musikrichtung für sein Haus das Richtige wäre. Nach seinem Ausscheiden in den Ruhestand 1999 setzte Husel die Reihe ab 2003 ehrenamtlich im Saarländischen Künstlerhaus fort. "Sie hat mich und viele meiner Musikerkollegen maßgeblich geprägt. Das hatte eine Qualität, wie man sie sonst nur in wirklichen Großstädten findet", schwärmt Stefan Scheib, der seit Mitte der Achtziger, damals noch als Student, zum Stammpublikum zählte.

Als Husel die Reihe Ende 2012 aus Altersgründen endgültig einstellte und das Künstlerhaus Scheib fragte, ob er die Stafette aufnehmen wolle, konnte er einfach nicht nein sagen. Denn man dürfe diese Reihe doch nicht sterben lassen, findet der Saarbrücker Bassist, Komponist und Mitglied des Liquid Penguin Ensembles, der sich außerdem auch noch in der "Ini-Art" engagiert.

Husel habe Maßstäbe gesetzt, indem er hochkarätige Musiker einlud, die man sonst nirgendwo im Saarland zu hören und sehen bekam, erklärt Scheib. Das möchte er zunächst so weiterführen mit internationalen Gästen. Auch wenn das nicht ganz leicht werde mit einem Budget von 5000 Euro für fünf bis sechs Konzerte jährlich.

Dank Husels guter Kontakte zur alten Garde seien viele zum Freundschaftspreis aufgetreten. "Dafür kenne ich aber viele Musiker der jüngeren Generation", sagt Scheib. Auch schwebt ihm vor, mit der Improvisationsmusik-Szene in Trier, Metz und Luxemburg, die er gut kennt, zu kooperieren. Fürs erste Konzert morgen Abend, 31. Oktober, 20 Uhr, im Künstlerhaus hat Stefan Scheib drei Improvisatoren aus Hamburg, Bremen und Wiesbaden engagiert. Birgit Ulher an der Trompete, Wolfgang Schliemann am Schlagwerk und Hainer Wörmann an der Gitarre, stehen als Formation USW für eben das, was Scheib so an Improvisierter Musik begeistert: "Die Neuartigkeit von Klängen, denen man begegnen kann, und diese ganz bestimmte Art von Energie, die man spürt, wenn diese Musik live, im Hier und Jetzt entsteht".

"Musik im Künstlerhaus" mit dem Ensemble USW, Donnerstag, 31. Oktober, 20 Uhr. Eintritt frei.