Jeder hat Pflichten, jeder wird gebraucht

Saarbrücken. Einer zieht aus, ein anderer zieht ein. Was in Wohngemeinschaften an der Tagesordnung ist, gilt auch für die integrative WG des Vereins Miteinander leben lernen (MLL). Seit eineinhalb Jahren teilen sich zehn junge Menschen mit und ohne Behinderung in der Kurzen Straße im Nauwieser Viertel eine große Wohnung

Saarbrücken. Einer zieht aus, ein anderer zieht ein. Was in Wohngemeinschaften an der Tagesordnung ist, gilt auch für die integrative WG des Vereins Miteinander leben lernen (MLL).

Seit eineinhalb Jahren teilen sich zehn junge Menschen mit und ohne Behinderung in der Kurzen Straße im Nauwieser Viertel eine große Wohnung. Jetzt hat die WG wieder Plätze frei: Einziehen können ein oder zwei junge Leute mit Unterstützungsbedarf und eine Person ohne Behinderung. "Die neuen Mitbewohner sollten zwischen 20 und 30 Jahre alt sein", sagt Miriam Wolter, die als Bereichsleiterin Wohnen bei MLL auch für die WG zuständig ist. Ansonsten gebe es keine besonderen Voraussetzungen.

Pflege-Assistenten helfen

"Wichtig ist, dass die innere Einstellung stimmt und man gerne in dieser WG leben möchte", erklärt Wolter. Pflegerische Aufgaben brauchen die nichtbehinderten WG-Bewohner nicht zu erbringen. Diese werden von Assistenten übernommen, die regelmäßig in die WG kommen und sich dort möglichst zurückhaltend bewegen, um die Privatsphäre der Bewohner möglichst wenig zu stören, erklärt Miriam Wolter.

Wer in die integrative WG einziehen möchte, sollte Lust auf gemeinsame Aktivitäten haben: Einkaufen gehen, zusammen kochen, in eine Kneipe gehen oder einen Ausflug unternehmen sind feste Bestandteile des WG-Lebens. "Ich bin froh, dass wir so eine gute Mannschaft haben, die dort wohnt und sich engagiert", sagt Miriam Wolter. Zurzeit wohnen in der WG unter anderem ein Mathematiker, ein Psychologe, zwei Sozialarbeiter, Studenten, Angestellte, die in der freien Wirtschaft arbeiten, und Mitarbeiter von Werkstätten für Behinderte. Nach Feierabend trudeln die Bewohner nach und nach zu Hause ein. Auch Besucher werden herzlich aufgenommen, berichtet Miriam Wolter: "Die Leute mit Beeinträchtigung sind total offen und kontaktfreudig und freuen sich, neue Leute kennenzulernen."

Dank der WG können selbst junge Menschen mit Pflegestufe drei ein möglichst normales Leben jenseits stationärer Einrichtungen führen. Zugleich werden sie in der WG auch gefordert: "Hier hat jeder seine Pflichten. Zu merken, dass man diesen - bei Bedarf mit Unterstützung - nachkommen kann, stärkt das Selbstbewusstsein sehr", weiß Wolter.

Die nichtbehinderten WG-Mitglieder wiederum wüssten die besondere Atmosphäre in ihrer WG zu schätzen. So wird das Pilotprojekt Kurze Straße kein Unikat bleiben. "Wir haben bereits mit der Planung einer weiteren WG begonnen", verrät Wolter: "Diese wird es ab 2011 geben."

Infos beim Verein Miteinander Leben Lernen, Tel. (06 81) 6 87 97 26, E-Mail: wohnen@mllev.de.

Gemeinsam mehr erleben: hier beim Waldspaziergang.