Jazzer liebt es „klassisch-modern“

Er ist Pianist, Komponist, Arrangeur, Bandleader und begleitet mit seinem Trio namhafte Gast-Solisten. Aber in erster Linie sieht sich Christoph Mudrich inzwischen als Lehrer, der leidenschaftlich gern unterrichtet.

Duke Ellingtons "It don't mean a thing if it ain't got that swing" könnte sein Motto sein: Alles an dem Mann swingt. Auch wenn ihm die Arbeit mitunter über den Kopf wächst. "Es ist immer irgendwie zuviel", sagt Christoph Mudrich und lacht. Der vielbeschäftigte Saarbrücker ist Pianist, Komponist, Arrangeur und Bandleader und begleitet mit seinem Trio namhafte Gast-Solisten. Seit ungefähr zehn Jahren jedoch sieht er sich in erster Linie ganz bescheiden als Lehrer . "Ich unterrichte leidenschaftlich gerne und mit Überzeugung", sagt Mudrich. "Und wenn ich ein guter Pädagoge bin, dann vor allem deswegen, weil ich alle Fehler selbst gemacht habe und weiß, wie man sie abstellt." Als Dozent der Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal und Spezialist für Band-Coaching betreut er aktuell sechs Combos; zu seinen ehemaligen Schützlingen zählt etwa das heute bundesweit renommierte HNK-Trio. Seine Schüler lieben seine Tiefenentspannung, das Publikum bewundert seine nonchalante Moderation. Mudrich sieht's lapidar: "Ich bin Dienstleister, da hat schlechte Laune nichts zu suchen."

Überhaupt gibt sich der Jazzer erfreulich unprätentiös. Seit geraumer Zeit hat er etwa keine eigene Homepage mehr, auch weil er nicht unbedingt "ein Verfechter digitaler Transparenz" ist. Keine Chef-Allüren als Bandleader - Augenhöhe ist angesagt. Und seit 2001 hat Mudrich unter seinem Label Blue Concept zwar CDs anderer Leute veröffentlicht, aber keine eigene Scheibe mehr herausgebracht. Er hält sich auch nicht für einen Tastenlöwen. Keine Ego-Streicheleien: "Eitel bin ich nur beim Kochen", sagt Mudrich schmunzelnd.

1960 als Sohn berühmter Eltern geboren - sein Vater Heinz war geraume Zeit Feuilleton-Chef der Saarbrücker Zeitung, seine verstorbene Mutter Eva Maria eine renommierte Hörspiel-Autorin -, genoss er den obligatorischen gutbürgerlichen Klavierunterricht, besuchte jedoch nie eine Musikhochschule. Stattdessen studierte er in Mainz und Saarbrücken Germanistik und Philosophie und machte erst danach seine Passion für den Jazz zum Beruf - die Initiation ereilte ihn im legendären Saarbrücker Jazzkeller Gießkanne. "Ich glaube, ich habe nächstes Jahr 30-jähriges Berufsjubiläum", grübelt Mudrich.

Als traditionsverbundener Anhänger des Mainstream experimentiert er nicht, seine Liebe gilt dem "klassisch-modernen Jazz". Den pflegte er beispielsweise mit der Formation Rebop oder als langjähriger Leiter des Landes-Jugend-Jazz-Orchesters Saar und eigener Bigbands wie CMMC und Europool. Heute konzentriert er sich auf die Leitung der Uni-Bigband "Wind Machine" und die Organisation der monatlichen Jam-Sessions im Theater Blauer Hirsch, auf den Sulzbacher Jazz-Workshop und die von ihm mitinitiierte JAZZsCOOL der Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal , die vor einem Jahr ihre Pforten öffnete. Und auf Projekte, die ihn als Schreiber, Arrangeur und Begleiter fordern.

Darunter etwa das Duo "Twogether" mit dem Berliner Sänger Frank Heibert oder ein Friedrich-Hollaender-Programm mit der Sängerin Anette von Eichel, das er am 23. November im Festsaal des Saarbrücker Schlosses vorstellt. Zuvor jedoch lässt er es an gleicher Stelle zum Jubiläum "20 Jahre Blue Notes im Schloss" lateinamerikanisch grooven.

Konzert: Sonntag, 26. Oktober, 20 Uhr, Schlossfestsaal: Christoph Mudrichs "The Latin Project". Karten, Infos: Tel. (06 81) 5 06 60 06.