IT-Unternehmer Scheer fordert Zukunftsministerium

Um die eigene Kritik an der Landesregierung zu untermauern, hat die FDP bei ihrem Neujahrsempfang führende Wirtschaftsleute sprechen lassen. IT-Unternehmer August-Wilhelm Scheer forderte ein Digitalisierungs-Ministerium.

August-Wilhelm ScheerLocation:Dudweiler. Foto: Oliver Dietze/dpa

Der IT-Unternehmer Professor August-Wilhelm Scheer hat ein neues Zukunftsministerium für das Saarland gefordert. Als Gastredner auf dem Neujahrsempfang der Saar-FDP im Saarbrücker Schloss sagte Scheer gestern, das Saarland brauche "eine Art Digitalisierungsminister", der das Land aus dem jetzigen Innovationsdilemma hinaus in eine bessere wirtschaftliche Zukunft mit gleichzeitig hoher Beschäftigung steuere. Der derzeitigen Saar-Regierung warf Scheer erneut Konzeptionslosigkeit und falsche Weichenstellungen in der Politik vor. "Die Forschungskompetenz ist prima, aber was fehlt, ist der Sprung, aus der Forschung heraus neue Unternehmen zu gründen, die internationale Bedeutung haben."

Auf die Frage, ob er selbst ein solches Ministerium für Digitalisierung und Industrie 4.0 übernehmen wolle, sagte Scheer der Saarbrücker Zeitung: "Ich selbst bin zu alt dafür." Während einer Podiumsdiskussion auf dem FDP-Neujahrsempfang hatte zuvor auch der frühere saarländische Unternehmer des Jahres, David Zimmer (Inexio ), abgewinkt: "Ich strebe kein Amt in der Politik an." Auch Zimmer, dessen Unternehmen sich seit 2007 mit viel Erfolg der Breitbandverkabelung in unterversorgten Regionen widmet, verlangte, mehr Aufmerksamkeit für die Chancen der Digitalisierung . Konkret regte er einen neuen Lehrstuhl Industrie 4.0 im Saarland an.

Unternehmer Scheer sagte: "Wir müssen sehen, dass wir mehr Facharbeiter zu Ingenieuren machen." Der Familienunternehmer Wolfgang Herges beklagte, dass den mittelständischen Unternehmen "von Bürokratie und Politik viel zu viele Steine in den Weg gelegt werden, so dass ihnen gar keine Zeit bleibt, sich um Innovationen zu kümmern".

FDP-Landeschef Oliver Luksic kündigte an, seine Partei werde das Thema "Zukunft durch Digitalisierung " zu einem Schwerpunkt im Landtagswahlkampf 2017 machen. Ob man dazu ein eigenes Ministerium brauche, ließ er offen. Er verlangte eine "Vernetzungsstelle Digitalisierung ", die auch für eine neue Infrastruktur und eine Modernisierung der Verwaltung im Saarland sorge.

Mit mehr als 200 Gästen war der neu gestaltete FDP-Neujahrsempfang gut besucht. Laut Landeschef Luksic zählt die FDP im Saarland derzeit rund 1070 Mitglieder, darunter zwei ehemalige Mitglieder der Piratenpartei . Bei der letzten Landtagswahl war die FDP nur auf 1,2 Prozent der Stimmen gekommen.