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IT-Forscher bannen Angst vor Auto-Unfall durch Hacker-Angriff

Das Bremer Tatort-Team Sabine Postel, Camilla Renschke und Oliver Mommsen (v.l.) untersucht einen Unfall per Fernsteuerung. Foto: dpa
Das Bremer Tatort-Team Sabine Postel, Camilla Renschke und Oliver Mommsen (v.l.) untersucht einen Unfall per Fernsteuerung. Foto: dpa FOTO: dpa
Saarbrücken. Die Saarbrücker IT-Forscher sind weltweit führend, wenn es um Sicherheit im Internet geht. Jüngst wurde eine Kooperation mit der US-Elite-Uni Stanford vereinbart. Doch auch für die Sicherheit der Autofahrer arbeiten die Forscher. dik/red

Es ist der Alptraum jedes Autofahrers: Sein geliebtes Automobil gehorcht nicht mehr seinen Befehlen, sondern wird von fremden Mächten ferngesteuert. Wenn bei Tempo 150 auf der Autobahn etwa das Lenkradschloss einrastet, kann das üble Folgen haben. Im Bremer ARD-Tatort "Echolot" vom Sonntag vergangener Woche hatte der Hacker-Angriff sogar ein tödliches Ende. Adina Vetter als Cyber-Firmen-Managerin Vanessa verlor in einem fremdgesteuerten Auto bei einem Unfall das Leben.


Doch der Stoff des ARD-Tatorts ist nicht nur der Ideenwelt des Regisseur-Duos Claudia Prietzel und Peter Henning entsprungen, sondern leider erschreckende Realität. Seit spätestens 20 Jahren bauen Auto-Konzerne Fahrzeuge, die derart mit Elektronik vollgestopft sind, dass sie für ambinionierte Hacker eine prächtige Spielwiese darstellen. Ein Oberklasse-Fahrzeug etwa verfüge heute über mehrere Computer, erklärt Stefan Nürnberger, der das Smart Systems Lab am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) auf dem Gelände der Saar-Uni in Saarbrücken leitet. Damit erzeuge es während einer Stunde Fahrt mehrere Gigabyte an Daten. Auch weniger teure Autos strotzten vor Informationstechnologie, sagt Nürnberger. Durch die Vernetzung der einzelnen Komponenten offenbarten sich jedoch gefährliche Sicherheitslücken . Eine solche hätten Informatiker des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit (Cispa) der Saar-Uni und des DFKI nun geschlossen - mit Hilfe einer Software , die Autohersteller in jedem Auto nachrüsten können, teilt die Saar-Uni jetzt mit.

Um aus der Ferne die Bremsen eines fremden Fahrzeuges bei Tempo 100 unschädlich zu machen, genügten dem US-Sicherheitsforscher Stephen Checkoway die im Auto installierte Software zum Abspielen von Musik und ein damit verbundenes Smartphone. Auch Steuergeräte wie ein Einpark-Assistent sendeten über das interne Netzwerk, den Can-Bus, Kommandos.



Zusammen mit Christian Rossow, Professor für IT-Sicherheit an der Saar-Uni, arbeitet Nürnberger daran, dass Komponenten wie ein Notbrems-Assistent am Can-Bus weder die Echtheit des Senders noch den Wahrheitsgehalt der gesendeten Informationen anzweifeln müssen. Ihrer zu diesem Zweck entwickelten Software mit dem sinnigen Namen "Vati-Can" gelinge dies, indem nur der echte Sender Codes an Nachrichten anhänge. Ihr Verfahren hätten die Forscher auf einer Konferenz in Kalifornien vorgestellt. Ihre Software könne im Internet kostenlos heruntergeladen und verwendet werden, teilte die Saar-Uni mit.