Ist der Saarkran ein Wahrzeichen?

Nach der Demontage des maroden Saarkranauslegers bleibt die Zukunft des restlichen Bauwerkes am Flussufer voraussichtlich bis Herbst ungewiss. Erst dann wird der Stadtverwaltung eine brauchbare Schätzung der Kosten für die Sanierung des Krans vorliegen. Auch auf der Online-Seite "Leben in Saarbrücken" der Saarbrücker SZ-Ausgabe diskutieren viele über das Für und Wider einer Sanierung des Saarkrans. Lesen Sie hier Ausschnitte aus der Diskussion.

Saarbrücken. Um den Saarkran ist es schlecht bestellt (die SZ berichtete). Ob er überhaupt restauriert wird, ist fraglich. Wir wollten von Saarbrückern wissen, ob der Kran für sie sanierungswürdig ist und als Wahrzeichen taugt. Die Meinungen sind geteilt.Sarah Lang (21) war regelrecht schockiert, als sie bei einem Heimatbesuch bemerkte, dass der markante Saarkranausleger demontiert wurde. "Für mich gehörte der Saarkran immer zu Saarbrücken genauso wie die Ludwigskirche und das Rathaus. Außerdem hat er auch eine Erinnerungsfunktion, die man nicht einfach außer Acht lassen sollte", sagt sie. Ähnlich sieht es Jorge Höppner, Student aus dem kolumbianischen Barranquilla, der zurzeit in Homburg lebt. Er bedauert die Demontage des Auslegers. Der Kran stellt für ihn ein wahres Merkmal Saarbrückens dar, das auch auf vielen Postkarten abgebildet ist.

Thomas Buhrmann (54) aus Riegelsberg findet es schade, dass der Ausleger weg ist. Der Kran gehöre zu Saarbrücken. "Als ich noch Schüler war, war der Saarkran noch eine alte Ruine, in der wir uns zum Trinken getroffen haben", erinnert sich Buhrmann. Als wirkliches Wahrzeichen Saarbrückens würde er ihn jedoch nicht bezeichnen. Dies sind für ihn "die Ludwigskirche, das Rathaus und natürlich, nicht zu vergessen, das Ludwigsparkstadion".

Janine Leroux (18) aus Püttlingen jedoch ist dagegen, dass der Saarkran restauriert wird: "Er hat doch sowieso keine Funktion mehr." Als Wahrzeichen würde sie ihn ebenfalls nicht bezeichnen. Da seien das Saarbrücker Schloss und der neue große Eurobahnhof repräsentativer.

Christoph Schorr (53) aus Heusweiler bedauert die Demontage des Kran-Auslegers, steht einer teuren Sanierung des verbliebenen Bauteils jedoch eher kritisch gegenüber.

Filiz Lazotta (27) aus Heidelberg ist regelmäßig in Saarbrücken zu Besuch und kannte den Kran bisher nicht einmal. "Keiner meiner Saarbrücker Freunde hat je diesen Kran erwähnt, dafür besichtigten wir aber Sehenswürdigkeiten wie Ludwigskirche, Johanneskirche, Rathaus und natürlich das Schloss", erzählt sie.

Gerhard Ferber: Es ist eine Schande, den Kran zu entfernen, er war ein Wahrzeichen an der Wilhelm-Heinrich-Brücke und müsste erhalten bleiben!

Karl Napf: Ganz klar ein Wahrzeichen, dann lieber den 4. Pavillon nicht fertig machen oder den Marmorboden weglassen und den Kran sanieren.

Eckhard Holzhauser: Der Saarkran ist für mich das Wahrzeichen Saarbrückens an der Saar und genauso wichtig wie Schloss und Alte Brücke! Kann mich Karl Napf nur anschließen. Ich kann die Prioritäten der Stadt manchmal nicht ganz nachvollziehen!

Lothar Schnitzler: Der Saarkran ist Kitsch. In den 80er Jahren hat der damalige TotoDirektor Alfred Holzwart mit anderen gesellschaftlichen Größen einen Verein gegründet, um einen Nachbau des alten Krans zu finanzieren. […] Gebaut wurde der Nachbau mit billigem, schlecht gelagertem und getrocknetem Holz von einer saarländischen Firma. Wahrscheinlich zum Freundschaftspreis. Raus kam Murks. Wenige Jahre danach war schon der Senkrechtbalken der Krankonstruktion gerissen und nicht mehr tragfähig. Danach faulte das Ding still vor sich hin. Also weg mit dem Ding. Geschichtspflege geht anders.

André Mailaender: Das Ding ist nicht echt, sondern eine Replik, faktisch ist es ein Fake, leere Kalorien, heiße Luft, ein Bretterhaufen aus den 1980ern, Blendwerk. […] Man hat in den 80ern die Chance verpasst, eine moderne Neuinterpretation des Turms zu wagen. Wenn das gelungen wäre, würde ich das als Denkmal wohl gelten lassen. […] Meine Meinung also: Keinen weiteren Euro in die Erhaltung der Bretterbude und einen mindestens im Ansatz modernen und städtischen Umgang mit dem weiteren Turm-Thema. Also Abriss!

Thomas Escher: Ich würde nicht sagen, dass Saarbrücken wenige Wahrzeichen hat: Ludwigskirche, Ludwigsplatz, St. Johanner Markt, Staatstheater, Schloss, Rathaus, Alte Brücke, um nur einige zu nennen, die mir direkt einfallen. Wenn ich mir überlege, wie viele fremde Sprachen ich in der letzten Zeit in Saarbrücken höre und vor allem immer mehr Englisch, dann muss Saarbrücken doch schon einiges mehr haben als den Saarkran. Daher glaube ich auch nicht, dass Besucher an den Saarkran denken, wenn sie nach einem Wahrzeichen von Saarbrücken gefragt würden. Christian Neu: Wie bitte?! Ihr montiert einfach so ein Denkmal der Saarbrücker (Wirtschafts-) Geschichte ab? mur

Hintergrund

Bei der jährlichen Prüfung des Saarkrans hatte der Gebäudemanagementbetrieb Mängel festgestellt und einen Gutachter hinzugezogen. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Ausleger weg muss, da Teile davon verfault sind. Der 1991 mit Hilfe von Spenden errichtete Saarkran an der Wilhelm-Heinrich-Brücke soll daran erinnern, dass Saarbrücken schon im 18. Jahrhundert dank des Flusses eine blühende Handelsstadt war. red