Inklusion muss in den Köpfen beginnen

In einem waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Teilhabe leben – Inklusion erfahren“ einig: Inklusion ist eine Haltung, die in den Köpfen beginnen muss. Um Teilhabe und speziell um Barrierefreiheit in Saarbrücken ging es im Johannesfoyer.

Inklusion, so wie die UN-Behinderrechtskonvention sie fordert, bedeutet volle Teilhabe für alle Menschen - ob mit oder ohne Behinderung - an der Gesellschaft. Doch wie geht "Teilhabe leben - Inklusion erfahren"? Und wie lässt sich darüber diskutieren? Bei der gleichnamigen Podiumsdiskussion der Reihe Caritas-Gespräch im Saarbrücker Johannesfoyer wählte Moderator Christian Otterbach einen Bereich zum Einstieg, der den meisten vertraut ist, vor allem den Interessenvertretern der Behinderten, die im Publikum stark vertreten waren: wie es um die Barrierefreiheit in Saarbrücken steht.

Nicht sehr gut, meint Manfred Steuer, der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt im Bezirksrat Mitte. Er kenne keinen Ort in der Stadt, der absolut barrierefrei sei. Bei Bauprojekten verführen die städtischen Ämter und Gremien meist mit Blick aufs Geld nach dem Prinzip: "Vielleicht meldet sich ja keiner von den Behindertenbeauftragten, dann ziehen wir es so durch." An den Finanzen dürfe es nicht scheitern, findet er. Wenn die Stadt ein Bauprojekt mit 50 000 Euro plane, müsse sie nur von vornherein die Kosten für Barrierefreiheit mit einplanen. Unterstützung bekam Steuer von Bernd Seiwert vom saarländischen Sozialministerium. "Ein solcher Neubau wird 3 bis 5 Prozent teurer, aber wenn wir eine Energieverordnung haben, sofort 15 Prozent teurer. Und da wird es sofort gemacht", sagte Seiwert. Für ihn ist es eine Frage des gesellschaftlichen Willens.

Auch bei den Kirchen könne das Bistum Trier noch mehr machen, gerade bei alten Bauten, räumte Christoph Morgenstern vom Bistum Trier , Dekanat Saarbrücken , ein. Man bemühe sich zwar zu sensibilisieren und es gebe auch schon gute Beispiele. Aber das Bistum Limburg sei da schon weiter. Es habe im Frühjahr einen neuen Aktionsplan vorgelegt, in dem Barrierefreiheit explizit als Ziel festlegt sei.

Inklusion sei eine Haltung, sie beginne in den Köpfen, waren sich die Podiumsgäste einig. Auch in Kindergärten und Grundschulen, die doch den Grundstock für das gemeinsame Aufwachsen legen, entdeckt Ilse Blug, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Miteinander Leben Lernen, bei den Verantwortlichen noch immer gewisse Vorbehalte. "Wenn die Haltung, alle Kinder gehören hierher, nicht da ist, nützen die besten Ressourcen nichts", sagt sie.

Doch bei Inklusion gehe es ja nicht nur um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung. "Inklusion umfasst alles, auch Menschen, die kulturell benachteiligt sind, religiös oder in ihrer sexuellen Orientierung", machte Blug auf die Spannweite aufmerksam.

Auch Institutionen müssen sich befragen, wen sie ausschließen, wo sie Barrieren haben. Die Blieskasteler Werkstätten des Ökumenischen Gemeinschaftswerkes Pfalz, wie deren Vertreterin Eva Paulus betonte, haben das schon gemacht.

Und die Kirche? Als Körperschaft öffentlichen Rechts sei sie genau so an die UN-Konvention gebunden wie andere, erläutert Pastoralreferent Morgen. Abgesehen vom Kirchenrecht , das der Teilhabe aller Grenzen setze, müsse man, was auf dem Papier steht, aber noch konkretisieren. Das Fazit des Podiums: Mit der Inklusion ist es wie mit der Gleichstellung der Frauen, sie ist ein "gesamtgesellschaftlicher Prozess".