Ineinander verwobene Vielfalt hieroglyphenartiger Zeichen

Saarbrücken/Homburg. Im ersten Stock der philosophischen Fakultät Gebäude B3.2 leuchtet ein zwei auf 3,5 Meter großes, abstraktes Wandbild von Max Mertz durch die Glastür der Kunsterziehungs-Bibliothek

Saarbrücken/Homburg. Im ersten Stock der philosophischen Fakultät Gebäude B3.2 leuchtet ein zwei auf 3,5 Meter großes, abstraktes Wandbild von Max Mertz durch die Glastür der Kunsterziehungs-Bibliothek. Dank der Renovierung im Jahr 2011 strahlen die Farben des 1955 fertig gestellten Werkes im intensiven Glanz der Sgraffito-Technik (Kratzputz) und geben den schwarzen, stegartig erhabenen Strukturen einen kontrastreichen Hintergrund.Vor seinen quadratischen und rechteckigen Feldern entfaltet sich eine ineinander verwobene Vielfalt hieroglyphenartiger Zeichen, die die strenge Geometrie mit spielerischer Leichtigkeit auflockern. Ein Gebäude weiter, in der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft (Geb. B4.1), hat sich Max Mertz ebenfalls abstrakter Chiffren bedient. In den beiden Lichthöfen stehen die 1963 gefertigten Bronzeplastiken von Justitia und Hermes, die von einem Mittelstab ausgehend beidseitig in den Raum schwingen.

Während die sich windenden Bänder der einen Skulptur sowohl auf den von zwei Schlangen umschlungenen Hermesstab, als auch auf die im Flug landende Gestalt des Götterboten anspielen könnten, ist die "Justitia" eindeutig lesbar: Die raumgreifenden Lineaturen weisen auf zwei Waagschalen hin und somit auf eines ihrer zwei bekannten Attribute.

Auch auf dem Homburger Unigelände hat Max Mertz seine Spuren hinterlassen: 1965 schuf er für den Außenbereich der Inneren Medizin (Geb. 40) ein Wandrelief aus 30 grau gestrichenen Einzelplatten aus Beton. In einer Größe von 4,5 auf acht Metern ist es mit der Fassade verbunden und ihr wie ein monumental aufwachsendes Urgestein vorgelagert.

Die diagonal angeordneten Formelemente mit ihren rauen Oberflächen lassen an kristalline Gesteinsformationen denken und bringen eine nach links gerichtete Dynamik ein. Sie ragen teilweise bis in die Fensterzone und betonen so ganz direkt den starken Kontrast zur ansonsten nüchtern gehaltenen Fassade.

Max Mertz wurde 1912 in Homburg geboren. Von 1928 bis 1931 besuchte er die Gewerbeschule in Saarbrücken und ließ sich zum Maler und Grafiker ausbilden.

In den Jahren 1936 bis 1939 studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden. 1947 kehrte er schließlich ins Saarland zurück. Ein Stipendium des saarländischen Kultusministers ermöglichte ihm in den Jahren 1949 bis 1950 ein Studium an der französischen Kunstakademie Académie de la Grande Chaumière in Paris. Er war Mitglied der Darmstädter Sezession und Albert-Weisgerber-Preisträger der Stadt St. Ingbert. Max Mertz starb 1981 in Saarbrücken. qb