„In Saarbrücken gibt es zu wenig Live-Musik“

Eine lebendige Musikszene lebt nicht nur von großen Konzerten. Herzstück des kulturellen Stadtlebens sind auch Musikkneipen, die regelmäßig Auftrittsmöglichkeiten bieten. Wir stellen deren Betreiber vor. Heute: Peter Hofmann und das Wonga.

"No worries", "Keine Sorgen", ist nicht nur das Lebensmotto der Australier, sondern auch das von Peter Hofmann (53). Wer zuversichtlich in die Welt blickt, nimmt auch den Zufall wahr, beschreibt der Inhaber des Restaurants "Wongar Australien House", zu dem auch der Pub "Down Under" gehört. Dass der Saarbrücker seit Juni 2011 die Gastronomie zum Hobby hat, sei "so ein glücklicher Zufall", sagt der hauptberufliche IT-Fachmann. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Marina Christen war er lange Zeit Stammgast in dem australischen Restaurant in der Altneugasse. "Ich mag das Essen, aber auch Land, Kultur. Ich habe Familie in Melbourne. Und wir haben sogar mit dem Gedanken gespielt auszuwandern und in Australien ein Bed-and-Breakfast aufzumachen."

Doch im Februar 2011 erzählt ihnen der Vorbesitzer, dass er das Restaurant abgeben wolle und schon Interessenten vorstellig wurden, die daraus ein Pizza-und-Pasta-Bistro machen wollten. Hofmann wird hellhörig. "Aus dem Pub im Gewölbekeller hätte man dann einen Lagerraum gemacht", sagt er und schüttelt den Kopf, "aber das konnte ich nicht zulassen." In den 70er- und 80er- Jahren hieß der Pub "Die Bimmel" und "war absoluter Kult. Als Schüler und junger Mann verbrachte ich meine Nächte hier". Die Pläne auszuwandern, verschieben Hofmann und Christen, eine gelernte Restaurantfachfrau, und übernehmen stattdessen das Saarbrücker Lokal. Von Anfang an organisieren sie Konzerte im Pub, "weil in Saarbrücken zu wenige Live-Musik-Events stattfinden", findet Hofmann. Fast jedes Wochenende treffen sich im Down Under, das an die irisch-australischen Pubs an der Südküste von Victoria anlehnt ist, nicht nur Burger-und Bierliebhaber, sondern auch Musikfans.

Die Musik wechselt zwischen Rock und Folk, Surf- und Beatmusik, Singer-Songwriter oder Bands wie "Memphis" oder "Gin & Tonic", die Coversongs neu interpretieren und demnächst hier auftreten.

Auf der steilen Treppe ins Kellergeschoß zieht der 2,05 Meter große Neu-Gastronom den Kopf ein. "Ich mach' das Licht an", sagt er und läuft im Stockdunkeln zum Lichtschalter. Hofmann findet sich im Pub auch blind zurecht. Der Gewölbekeller aus dem späten 17. Jahrhundert umschließt ein dickes Mauerwerk, die Fensterluken lassen auch bei Tag kaum Licht rein. "Das schafft richtig Atmosphäre", findet der 53-Jährige. Viel Platz ist hier nicht: "Aber die Decke ist hoch, sodass auch ich stehen kann", sagt er schmunzelnd. "Wenn wir Stühle drin lassen, passen maximal 30 bis 35 rein, ohne Bestuhlung kriegen wir so 50, 60 Personen unter."

Die musikalische Gangart entscheidet über das Interior: "Bei Rock- und Boogie-Woogie-Bands räumen wir die Stühle und Tische aus. Da wollen Leute mitgehen und tanzen. Doch bei Singer-Songwritern und ihren sanfteren Klänge lassen wir die Bestuhlung drin." Eintritt verlangt Hofmann für die Live-Konzerte nicht. "Wir machen aber eine Hutsammlung, die wir auf die Gage draufpacken." Zwischen 200 und 450 Euro zahlt Hofmann den meist regionalen Musikern. Großzügig, sagt er, sei das nicht "nur fair. Die Künstler liefern gute Arbeit ab, und wir bezahlen sie ordentlich." Gute Musik ist eben kein Zufall.

Am heutigen Freitag, 20 Uhr, spielen Memphis unplugged and Live im Down Under.