In Merzig willkommen

Der „Marsch für die Freiheit“ legte in Merzig einen Zwischenstopp ein. Die Teilnehmer übernachteten im Pfarrgarten von St. Peter. Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld besuchte die Flüchtlinge in ihrem Zeltlager.

Aktivisten überqueren die Mosel von Perl nach Schengen in einem Schlauchboot. Foto: Philpp Anton Foto: Philpp Anton

"Ein besonderes Dankeschön gilt der Kirchengemeinde Merzig", lobt Bürgermeister Marcus Hoffeld. Ohne die Mithilfe der Kirche wäre das Zeltlager im Garten der Peterskirche nicht möglich gewesen. Die 200 Demonstranten, die sich auf dem Weg von Straßburg nach Brüssel befinden (die SZ berichtete), waren sehr dankbar für die Merziger Gastfreundschaft. Nachdem der Protestzug in Dillingen keine Übernachtungsmöglichkeit hatte finden können, stellte der Pfarrgemeinderat die Anlage in Merzig zur Verfügung, die Kreisstadt das Vereinshaus. Somit war auch für sanitäre Anlagen gesorgt. Durch das Engagement des Dekanats, der Aktion 3. Welt Saar und der evangelischen Kirchengemeinde war für die Verpflegung mit Lebensmittel für drei Tage gesorgt.

Der Bürgermeister staunte bei seinem Besuch über die "gute Organisation innerhalb der Gruppe". Mehrere VW-Busse transportieren das Gepäck, im Camp gibt es ein Küchenzelt sowie eine Spülstation. Erstaunlich - schließlich ist ist der Freiheitsmarsch selbst organisiert. Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt. Zum Teil sind es Deutsche, die für die Gleichheit aller Menschen kämpfen. Der Rest der Gruppe setzt sich aus internationalen Flüchtlingen zusammen. Menschen aus fast allen Kriegs- und Krisengebiete der Welt sind vertreten.

Einer, der von Beginn an dabei ist, ist Omar Elferoug. "Wir wollen uns integrieren, aber die Leute haben Angst vor Fremden", sagt der junge Mann aus dem Sudan.

Der Afrikaner kam mit dem Flugzeug nach Deutschland. Obwohl er hier studiert hat, wartet er bereits zwei Jahre auf seine Papiere.

Omar erzählt: "In anderen Städten wurden wir nicht so herzlich empfangen wie in Merzig." Immer wieder seien die Demonstanten abgewiesen worden, hätten keine Erlaubnis bekommen, in Stadtparks zu übernachten. Ein anderer Flüchtling hatte eine schwierigere Anreise. Er kam per Paddelboot aus der Türkei nach Griechenland.

"Merzig bildet im Saarland die Ausnahme", betonte Roland Röder vom Saarländischen Flüchtlingsrat.

Viele der Demonstranten sind von Anfang an dabei, andere kommen und gehen. "Alle Menschen sollten ein Recht auf Freizügigkeit haben und nicht nach ihrer Herkunft und Hautfarbe beurteilt werden", findet ein deutscher Teilnehmer.

Einer von ihnen sprach Bürgermeister Hoffeld persönlich an. Deutlich ist die Emotionalität im Gespräch zu erkennen. Der Demonstrant forderte eine andere Asylpolitik, ein Thema auf das der CDU-Politiker nur schwer Einfluss nehmen kann. Zum Abschluss versprach Hoffeld, die Forderungen an Kanzleramtsminister Peter Altmaier weiterzuleiten. Mit einem Aktionstag erregten die Freiheitsmarschierer in Schengen Aufmerksamkeit. An dem Ort, wo einst die Verträge für ein grenzenloses Europa geschlossen wurden, erreichte der Protest eine besonders symbolische Wirkung. "No border, no nation, stop the deportation" ( Keine Grenze, kein Staat, stoppt die Abschiebung) und "We are here and we will fight, freedom of movement is everybodies right” (Wir sind hier und wollen kämpfen, Freizügigkeit ist das Recht aller) lauteten die Parolen der Flüchtlinge.

Mit Trommeln und Blasinstrumenten verliehen sie ihrem Protest Nachdruck, als sie die Schengener Brücke passierten. Einige Aktivisten überquerten mit einem Schlauchboot die Mosel zwischen Perl und Schengen. Mit Kunstblut übergossen, hielten sie Plakate in die Luft, die offene Grenzen an den Rändern der EU forderten. Auf diese Weise drückten sie die Solidarität mit den Flüchtlingen aus, die versuchen mit Booten von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Bei der Grenzüberquerung schrieben die Demonstranten ihre Forderungen auf die Straße und beklebten die Grenzbeschilderung mit Aufklebern. Nach der Ankunft des Bootes an der berühmten Schengener Schiffsanlegestelle, umwickelte eine Gruppe Demonstranten das Denkmal des Schengener Abkommens mit Stachelzaun und wurde dabei von den singenden Flüchtlingen angefeuert. Im Anschluss ging der Protest vor dem Europa-Museum weiter.

Die restliche Strecke des Marsches verläuft durch Luxemburg und Belgien. Ziel ist die Hauptstadt Europas. In Brüssel ist für den 26. und 27. Juni eine Aktionswoche gegen die europäische Migrations- und Asylpolitik im Rahmen des EU-Gipfels geplant.