In der Haut eines anderen Menschen

Mit einer guten Portion Unbefangenheit stellte sich Sophie Köster „mal probeweise“ an einer Schauspielschule vor. Und wurde prompt genommen. Morgen steht die Norddeutsche wieder in der Sparte 4 auf der Bühne.

Ganz neu am Staatstheater spielt sie gleich eine tragende Rolle und lässt sich somit kaum übersehen: Als Fran in "Ephebiphobia (Angst vor Teenagern)" gelingt der Schauspielerin Sophie Köster in der Sparte 4 ein starker Einstand. So echt und überzeugend bringt sie da eine 16-jährige Jugendliche im Konflikt mit den Eltern rüber, dass man vergisst, dass sie "in echt" schon 25 Jahre zählt.

"Das Stück ist aber auch gut geschrieben und genau beobachtet. Das macht es einem leicht, sich an die eigene Teenagerzeit zu erinnern", pariert die Norddeutsche aus Oldenburg so viel Lob mit leicht verlegenem Lächeln.

Das Gefühl des Unverstandenseins als Teenager das kenne sie gut. "Man möchte ja immer alles ernst nehmen und dass man selbst ernst genommen wird", nennt sie als typisches Merkmal jener Tage. Da mache man sich Gedanken über die Rettung der Menschen auf den Philippinen und nehme die Erwachsenen bei ihrem Wort. Dabei führt es Sophie Köster darauf zurück, dass sie ihr Vorsprechen bei Schauspielschulen "gar nicht so ernst" nahm, dass sie auf Anhieb genommen wurde an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München. Ein Jahr vor dem Abi habe sie sich nur mal "probeweise" bewerben wollen, damit es nach dem Abi, wenn es draufankam, leichter klappt. Das Abi hat sie dann einfach geschmissen und ist in München geblieben.

Und die Eltern? Die seien darüber natürlich nicht glücklich gewesen, meint Köster. Aber gegen ihren Berufswunsch Schauspielerin hatten sie keine Einwände. Seit wann sie diesen Wunsch hatte, weiß sie gar nicht so genau. In der Waldorfschule gehörte Theaterspielen in der achten Klasse zum Pflichtprogramm. Weil ihr das gefiel, habe sie weitergemacht, erst in einem selbst organisierten Projekt mit Mitschülern, dann im Jugendklub des Oldenburger Staatstheaters. Was ihr an dem Beruf so gefällt ist, "dass man sich mit einem Thema beschäftigen kann". Ob in Konstanz, wo sie gleich nach der Schule ihr erstes Engagement erhielt, zum Beispiel in der Rolle der Isa in "Tschick" oder auch jetzt in der des Teenagers in "Ephebiphobia". "Wenn ich das Gefühl habe, es hat etwas mit der Realität zu tun, dann finde ich das sehr sinnvoll", sagt sie. Auszuprobieren, wie man in eine Rolle, in die Haut eines andern Menschen, schlüpfen kann und in einem Team zu arbeiten, das ist ihr wichtiger, als letztlich damit im Rampenlicht zu stehen. Wie man die Welt retten kann, ist der Tochter eines Demeter-Bauern auch als Erwachsene nicht egal. Sie sei zwar keine Öko-Aktivistin, aber bei Petitionen mache sie mit.

In ihrer knappen Freizeit geht Sophie Köster gern im Bliesgau wandern, oder sie taucht abends ins Kneipenleben im Nauwieser Viertel ein. Schön sei Saarbrücken, findet sie. Zwei Kleinigkeiten stören sie allerdings doch ein wenig: "Die Autobahn, schrecklich, Tunnel drüber", rät sie.

Auch die Fußgängerampeln haben die Oldenburgerin entsetzt: "Die sind ja nur autogerecht geschaltet, so was habe ich noch nie erlebt."

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