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In der Früh zum Flaschensammeln

Saarbrücken. Am Neujahrsmorgen, noch vor Sonnenaufgang, schlägt ihre Stunde: Die Pfandflaschensammler sind unterwegs. Sie leisten einen Beitrag zum Umweltschutz, aber sie machen es natürlich wegen des Geldes. Die in der Nacht rund um das Schloss zu Hunderten weggeworfenen Flaschen sind zum Teil Bargeld wert, und die Experten wissen das Von SZ-Mitarbeiter Frank Bredel

Saarbrücken. Am Neujahrsmorgen, noch vor Sonnenaufgang, schlägt ihre Stunde: Die Pfandflaschensammler sind unterwegs. Sie leisten einen Beitrag zum Umweltschutz, aber sie machen es natürlich wegen des Geldes.


Die in der Nacht rund um das Schloss zu Hunderten weggeworfenen Flaschen sind zum Teil Bargeld wert, und die Experten wissen das. Florian Schäfer (Name von der Redaktion geändert) ist einer von jenen, die mit großen Tüten oder Körben losziehen, um das einzusammeln, was anderen offensichtlich nichts bedeutet. Florian bessert mit den Flaschen sein Taschengeld auf. Wir treffen außerdem Stadtstreicher und Rentner.

Keiner will seinen Namen nennen. So öffentlich will man zum Flaschensammeln dann doch nicht stehen, ist es doch ein Synonym für materielle Not, wenn man sich nach Glas und Dosen bückt.

Der Spaziergang um 5 Uhr lohnt sich offensichtlich. Florian hat schon zwei dicke Tüten gefüllt, er rechnet hoch, dass das ungefähr zehn Euro bringen wird. 30 Minuten ist er jetzt unterwegs, um zwischen den vielen "wertlosen" Sektflaschen die pfandgültigen Bierflaschen, die PET-Flaschen oder die besonders wertvollen Dosen von Energiedrinks ausfindig zu machen.

Eine erste Tüte hat er unterwegs deponiert, aber es sind so viele Flaschensammler unterwegs, dass er sie erst einmal nach Hause bringt.



Früher begegnete man am Neujahrsmorgen auch Bastlern, die nach Raketenstöcken für Modellbau-Arbeiten Ausschau hielten oder den Feuerwerksverrückten, die die Blindgänger einsammelten, um es noch einmal krachen zu lassen. An diesem Neujahrsmorgen fehlen beide Spezies. Raketenstöcke liegen in der Gosse, die Blindgänger sind nass.

Die Pfandflaschen rund um das Schloss sind um 7 Uhr komplett eingesammelt. Die Stadtreinigung hat dennoch genug zu tun. Feuerwerksmüll und zerbrochenes Glas türmen sich. Gäbe es Pfand auf Sekt- und Weinflaschen, würde das anders sein. Denn Pfandflaschen liegen deutlich seltener nach dem Feiern herum. Auch Dosen findet man nur vereinzelt.

Was Geld wert ist, das wird nicht einfach weggeschmissen. Für Florian und seine Pfandsammler-Konkurrenten lohnt sich das frühe Aufstehen oder Wachbleiben dennoch.