In den Fußstapfen eines großen Saarbrückers

Die Nazis ermordeten die Mutter des Schriftstellers Hans Bernard Schiff. Trotzdem blieb er ein Streiter für die Menschlichkeit. Der nach ihm benannte Literaturförderpreis soll dafür sorgen, dass Schriftsteller der Gegenwart versuchen, Schiffs Erbe anzutreten und Literatur schreiben, die tröstet und heilt.

"Ich habe mit sechs Jahren meine erste Geschichte geschrieben. Da hatte ich noch Probleme mit der deutschen Grammatik", sagt Daria Kramskaja und lacht. Die junge Frau mit den dunklen Locken hat gerade den Förderpreis des Saarbrücker Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreises gewonnen - und das schon zum zweiten Mal.

Ihre Geschichte, die sie bei der Verleihung des Preises im Festsaal des Rathauses St. Johann Mitte Dezember vorgelesen hat, hat die Zuhörer berührt. Denn sie handelte von ihrer Mutter und von den dramatischen Ereignissen ihrer Geburt. "Aber sie ist nicht autobiografisch", klärt Daria Kramskaja auf. "Ich bin zwar wirklich in Sewastopol auf der Krim geboren, aber die Geschichte habe ich gestaltet, umgeschrieben. Auch die Figur meiner Mutter ist mit meiner wahren Mutter nicht identisch." Daria Kramskaja kam mit ihrer Familie im Alter von sechs Jahren nach Homburg. Dort entdeckt sie ihre Leidenschaft für das Schreiben. "Seitdem ich 14 Jahre alt bin, schreibe ich. Das hatte persönliche Gründe, ich habe viel über mich nachgedacht und über mich selbst geschrieben", erklärt sie. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität in Saarbrücken merkt sie, dass ihr das nicht mehr reicht.

"Auf einmal wollte ich auch Leser haben für meine Geschichten. Ich wollte mein Literaturverständnis darstellen, mit anderen in Austausch treten", erzählt die junge Autorin. Daher nimmt sie im Jahr 2010 an einem Schreibkurs im Saar-Lor-Lux-Literaturarchiv teil. "Wir Studenten haben uns dort getroffen, unsere Geschichten gegenseitig vorgelesen und analysiert".

Dort hat sie auch vom Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis erfahren, sich beworben und hatte zweimal Erfolg. "Es gibt nicht so viele Literaturpreise, und für Nachwuchs-Schriftsteller schon gar nicht", sagt sie und stellt damit die Bedeutung des Preises heraus. Ganz nebenbei hat Daria Kramskaja in dem Schreibkurs auch ihren heutigen Lebenspartner Sebastian Rouget kennengelernt, der ebenfalls schreibt und auch Hans-Bernhard-Schiff-Preisträger ist. Heute fährt Daira Kramskaja immer noch regelmäßig zu dem Kurs nach Saarbrücken , auch wenn sie mittlerweile in Trier lebt. Denn nach ihrem Bachelor im Jahr 2012, wechselte sie nach Trier, hat dort gerade ihre Masterprüfung absolviert. Wie es nun beruflich weitergeht, weiß sie noch nicht genau. "Ich bin noch einige Monate Studentin, danach werden wir sehen", sagt sie. Während sie wartet, was beruflich auf sie zukommt, will die junge Autorin weiterschreiben. Das braucht seine Zeit, denn Daria Kramskaja hat gewisse Rituale beim Schreiben.

"Zuerst sammle ich Szenen, Charaktere, Orte. Dann überlege ich mir die Handlung. Und dann schreibe ich", erzählt sie. Bisher wurde erst einmal eine Kurzgeschichte von ihr veröffentlicht, sie wurde im Kulturkalender Kakadu abgedruckt. Dabei schreibt Daria Kramskaja viel. "Ich habe mehrere Kurzgeschichten zuhause liegen. Und dann ist mir auch etwas eingefallen, was eine längere Geschichte wird, eher ein Roman. Aber das wird noch nicht verraten", sagt sie und lacht.