„In Berlin geht ja niemand ans Telefon“

Bis 12. September dreht die Künstlerin Oona von Maydell im Saarland ihren ersten Kurzfilm. Extra zum Drehstart gab es eine Pressekonferenz im Saarbrücker Hotel am Triller.

"Ich wollte eine Rolle schreiben, so wie ich sie gerne spielen würde und einen Film, wie ich ihn gerne sehen würde", erzählt die Schauspielerin und Künstlerin Oona von Maydell. Extra zum Drehstart gibt es eine Pressekonferenz. In ihrem ersten Kurzfilm "La Ruche - die Beute" übernimmt von Maydell nicht nur die Hauptrolle. Sie ist auch noch Drehbuchautorin und Regisseurin. Am Wochenende starteten die neuntägigen Dreharbeiten.

Als Schauspielerin auf ihrem Niveau gäbe es nicht so viele interessante Rollen, so erzählt die junge Frau bei der Presssekonferenz. Da erfand sie gleich drei Rollen von drei Räuberinnen, die zusammen einen Juwelier überfallen. Eine davon spielt sie selbst, für die anderen konnte sie befreundete Schauspielerinnen gewinnen, mit denen sie schon öfter zusammengearbeitet hat.

Von Maydell ist im Saarland und in Lothringen aufgewachsen und begann hier auch ihr Kunststudium, in Frankfurt setzte sie es dann als Malereistudium fort. Nun ist sie seit einiger Zeit wieder zurück und hat als Drehort das Saarland ausgewählt. "Viele Orte sind schon abgedreht, Berlin zum Beispiel, da werden täglich Filme gedreht", erzählt von Maydell. Das Saarland habe aber noch ganz andere Vorteile. Zum Beispiel hat von Maydell viele Kontakte und alte Freundschaften im Saarland. "In Berlin, da geht ja niemand ans Telefon, wenn man anruft. Hier heißt es nur: super, wann?", erzählt sie begeistert.

Auch die Saarland Medien GmbH unter der Geschäftsführung von Uwe Conradt hat den Film für förderungswürdig befunden und unterstützt von Maydell mit einer Summe von 15 000 Euro, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Auch sonst sind ihre saarländischen Beziehungen hilfreich. Den Kontakt zu einem Juwelier in Neunkirchen haben sie zum Beispiel durch den Oberbürgermeister von Neunkirchen, Jürgen Fried , bekommen und ihn gleich von ihrem Filmprojekt überzeugen können. Der Juwelier hatte tatsächlich mal "Besuch" von Räubern und erzählte der jungen Filmerin, wie schnell das alles ging. "Aber wir machen das ganz anders", sagt von Maydell. "Wir suchen uns langsam die Beute aus, bis dann eben die Polizei kommt...".

Oberbürgermeister Fried zeigt sich in der Pressekonferenz im Saarbrücker Hotel am Triller besonders stolz, dass in Neunkirchen dieses Jahr bereits der dritte Film gedreht wird und spricht von einer "besonders engen Zusammenarbeit" und "viel Herzblut". Neben der Stummschen Kapelle in Neunkirchen wurde auch das Polizeirevier in der Falkenstraße als Drehort gewählt. Als von Maydell dort hinkam, erzählt sie, dachte sie, sie stünde schon mitten in einer Filmkulisse. Die Polizisten dort hätten ihr dann, etwas peinlich berührt versichert, dass die Wache demnächst renoviert werden soll. Zum Glück für Oona von Maydell ist aber noch alles beim Alten. Und sie konnte sogar den echten Polizeikommissar Peter Müller als Darsteller engagierten.

Auch mit dem Kameramann Felix Tonnat ist von Maydell schon seit einiger Zeit befreundet. Als Tochter und Enkelin von Schauspielern - wie sie selbst augenzwinkernd sagt "aus einer Vagabundenfamilie" - kennt und schätzt sie natürlich auch das Max-Ophüls-Festival. Eines ihrer Ziele ist es, dass ihr Kurzfilm auch dort gezeigt wird. Mit dem Drehbuch hat sich von Maydell erst jüngst an der Filmakademie in Ludwigsburg beworben, wo sie auch zum Wintersemester ihr Studium beginnen wird.

So vernetzt die junge Regisseurin alte Bekannte untereinander, knüpft neue Kontakte und setzt ihr Herzensprojekt um. "Man hat Leute um sich herum, die man mag und schätzt und ist ehrlich zueinander". Oona von Maydell freut sich auf die Arbeit der kommenden Drehtage.