In 400 Tagen sollen Stadtvillen entstehen

Im Rotenbühler Weg 54 sind die Bagger vorgefahren. Wo früher die „Villa Neufang“ stand und der französische Generalkonsul residierte, entstehen nun sieben Stadtvillen. Für die Bauherren war es ein langer Weg zur Genehmigung. Sie haben sich in einem Brief an die Nachbarn namentlich vorgestellt und bieten ein gutes Verhältnis an.

Zilpzalp und Wildkatze, Haselmaus und Großer Abendsegler - auch ihre Interessen waren abzuwägen, ehe Bau- und Umweltbehörden sowie der Saarbrücker Stadtrat ihr Einverständnis mit einem Bauprojekt gaben, wie es der Rotenbühler Weg in Saarbrücken seit Langem nicht gesehen hat: Auf dem parkähnlichen, 10 000 Quadratmeter großen Areal mit der Hausnummer 54 dürfen nun sieben Familien (auf Grundstücken von 700 bis 2000 Quadratmetern) ihren Traum vom Eigenheim in bester Wohnlage verwirklichen. Die Bagger sind bereits angerückt, um eine Erschließungsstraße zu den Parzellen zu bauen.

Danach sind Leitungen zu legen, dann können die eigentlichen Hochbauarbeiten beginnen. Parallel wurden in Abstimmung mit den Behörden zahlreiche kranke und nicht standsichere Bäume gefällt. Sie sind später adäquat zu ersetzen, um rasch wieder den parkähnlichen Charakter herzustellen. Zum Wohlgefallen der Nachbarschaft haben die Bauherren angekündigt, "so schnell wie möglich und weitgehend parallel zu bauen", um sich und der Umgebung "Jahre der Bauaktivität zu ersparen". In möglichst 400 Tagen, so das Ansinnen, sollen die Häuser, die sich auf dem Areal locker verteilen, entstanden sein.

Sie haben zwei Vollgeschosse, teilweise auch Dachterrasse und dritte Teiletage. In einem Brief, der an alle 70 Anlieger verteilt wurde, bieten die neu Hinzukommenden "eine gute Nachbarschaft" an und werben um Verständnis und "wohlwollende Begleitung" während der heißen Bauphase, in der es viel Lärm und Dreck geben werde. Die Häuser werden von mehreren Architekten geplant, und jeder Bauherr beschäftigt auch eigene Handwerker. Die künftigen Bewohner kündigten an, um des harmonischen Zusammenlebens willen je zwei Besucherparkplätze vor ihren Garagen anzulegen, um damit Parkdruck von der öffentlichen Straße zu nehmen. Abwässer werden in Rückhaltebecken gesammelt, um den Kanal nicht zu überlasten. Mülltonnen werden auf dem Grundstück geleert.

Initiator des Projektes war der Homburger Brauereichef Richard Weber. Im Jahr 2007 hatte er den Park gekauft und angekündigt, die darauf befindliche "Villa Neufang", ehemals Residenz des französischen Konsuls, als Privatsitz zu nutzen. Wenig später ließ er das Gebäude aber abreißen und kündigte an, als Investor eine exklusive Wohnanlage zu errichten.

Nachdem die Nachbarschaft wegen des als zu wuchtig empfundenen Gebäudes protestiert hatte, ließ Weber auch diesen Plan fallen. Kurz darauf verlief ein weiteres Groß-Projekt eines Bauträgers im Sande. Erst im dritten Anlauf gelang nun ein Bebauungskonzept, das sich in das Bestehende einfügt und Behörden, Anliegern und kaufkräftigen Interessenten gleichermaßen zusagte. Die sieben Bauplätze seien in wenigen Wochen verkauft gewesen, heißt es in Maklerkreisen.