Im Tod eins mit der Natur

Über 2100 Baumbeisetzungen hat alleine die bundesweit tätige Firma Friedwald in Saarbrücken bereits durchgeführt. Tendenz steigend. Vielen ist die Verbundenheit mit der Natur wohl über den Tod hinaus wichtig. Wir haben Menschen begleitet, die sich für diese Beisetzungsform interessieren.

Der Geruch von frischem Laub und nasser Erde liegt in der Luft. Vogelgezwitscher und ein leichtes Rascheln - sonst überwiegt die Stille im Wald. Eine kleine Feldmaus bahnt sich beim Regen schnell ihren Weg durch das heruntergefallene Geäst und die vermoosten Baumstämme, um sich schnell ins Trockene zu flüchten. Die Natur entfaltet sich hier im Friedwald auf ihre eigene Weise. "Der Sturm fällt Bäume . Tiere und Pflanzen wachsen und leben ganz natürlich und ungestört", erläutert Friedwald-Förster Klaus-Peter Bölke. Hier werden keine Bäume gefällt, keine Pestizide versprüht, alles bleibt unberührt. "Die Natur pflegt sich selbst", sagt Bölke.

Ein kleiner Steg führt direkt in den Saarbrücker Friedwald, hier beginnt die Waldführung mit zwölf Teilnehmern. Alle 14 Tage macht Bölke einen kostenlosen Rundgang am Samstagmittag durch den Friedwald. Viele Spaziergänger und Fahrradfahrer sind dieses Mal trotz Regenwetter unterwegs und kommen der Gruppe entgegen. Der Wald ist immer gut besucht. "Kein Wunder, denn hier führen auch einige Wanderwege entlang", merkt der Friedwald-Förster an. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie sich auf einem Friedhof befinden. Der Friedwald ist eine bundesweit tätige Firma, die die alternative Form der Bestattung in der Natur und in der Ruhe des Waldes - ohne Zaun, ohne Trauerhalle und überkonfessionell - anbietet. Auch andere Firmen und Friedhöfe ermöglichen Baumbeisetzungen wie zum Beispiel der Saarbrücker Hauptfriedhof. Während im Friedwald die Preise bei 490 Euro beginnen, sind Beisetzungen dieser Art auf dem Hauptfriedhof um einiges teurer; 2000 Euro und mehr. Hinzu kommt hier aber die erlaubte Mitbenutzung einer Trauerhalle.

"Ich finde es schön, wenn Hunde um mein Grab herumtollen können", erklärt eine 57-jährige Besucherin. Sie interessiert sich schon länger für eine Beisetzung im Friedwald. Heute hat sie es endlich geschafft, einen Teil des rund 19 Hektar großen Areals zu besichtigen. Es ist in das Naturschutzgebiet zwischen Netzbach- und Steinbachtal integriert, das zirka 1000 Hektar groß ist. An Platz mangele es hier nie, sagt Bölke und deutet auf einen Lageplan des Friedwalds.

Die Auswahl des Baumes fällt aber nicht immer leicht. Vor allem Buchen und Eichen dominieren das Erscheinungsbild. Vor einer Eiche mit einem roten Juteband macht Bölke halt. "Das ist ein Gemeinschaftsbaum", erläutert er. Hier finden bis zu zehn Urnen Platz. Es können einzelne Gräber angekauft werden. Fünf Meter weiter bleibt Bölke wieder stehen. "Man kann auch einen ganzen Baum für die Familie kaufen", sagt er und zeigt auf eine Buche mit blauer Kennzeichnung. Gleich daneben steht ein Baum mit gelbem Juteband, ein Partnerbaum. "Er ist auf zwei Personen ausgelegt, kann aber natürlich je nach Belieben erweitert werden", merkt Bölke an.

Die letzte Station der Führung ist ein Mustergrab. Die Beisetzungen im Friedwald sind sehr schlicht. Unterschiede von Grab zu Grab gibt es nicht. An den Bäumen hängen Metallplatten mit der Baumnummer und den Daten der Verstorbenen. Die Beisetzung im Friedwald erfolgt in biologisch abbaubaren Urnen, die direkt an die Wurzeln eines Baumes eingelassen werden. Nur eine kleine Metallplatte mit den Daten des Verstorbenen bleibt zurück. Alles andere löst sich in kürzester Zeit auf. Bereits 2110 Menschen (Stand April 2015) haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. 2865 Leute (Stand April 2015) haben sich zu ihren Lebzeiten schon einen Baum ausgesucht. Die Tendenz ist steigend. Die Verträge gelten für 99 Jahre, vom Zeitpunkt der Eröffnung in Saarbrücken 2005 an. "Also deutlich länger als auf normalen Friedhöfen", erläutert Bölke. "Bei den Beerdigungen ist so gut wie alles erlaubt", sagt Bölke. Einmal seien Gospelsänger im Wald gewesen. "Die Akustik hier ist phänomenal", erinnert sich Bölke. Die Organisation ist den Angehörigen selbst überlassen. "Blumen oder Grabsteine gibt es nicht", so Bölke. Das sei auch gar nicht nötig: "Der Wald bietet selbst schon so viel Schmuck." Wenn man das Grab schmücken möchte, dann mit einheimischen Pflanzen aus dem Garten.

Für ein Ehepaar aus Heusweiler steht am Ende der Führung fest: "Das ist unsere letzte Station." Ein Gemeinschaftsbaum soll es für die Beiden sein. Sie wollen nicht nur mit der Natur verbunden sein, die Wahl des Beerdigungsortes hat noch einen anderen Grund: "Unsere Kinder müssen das Grab nicht dauernd pflegen, so bereiten wir ihnen nach unserem Tod keine weiteren Kosten."