„Im System Universität war ich nicht gut aufgehoben“

Früher sang Thees Uhlmann bei Tomte. Doch die Hamburger Indieband liegt seit längerer Zeit auf Eis, weil Uhlmann derzeit mehr Spaß mit seiner Solokarriere hat. Vor wenigen Wochen erschien sein zweites Album „2“, das denkbar knapp die Spitze der Albumcharts verfehlte. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker sprach mit Uhlmann über das Album.

Auf Ihrem neuen Album dominieren Melancholie und Nostalgie. Sehen Sie das auch so?

Uhlmann: Melancholie ist doch eher auf dem ersten Album bestimmend, oder? Sie ist eh eine der bestimmenden Stimmungen, wenn man Rockmusik macht. Sie ist ein Wesen des Rock. Bezüglich der Nostalgie kann ich nur sagen, dass ich durchaus Rockmusik für Leute mache, die das Lebensalter 29 weit hinter sich gelassen haben. Ich finde es auch wahnsinnig romantisch, bei Konzerten das Publikum zu fragen, wer über 40 ist. Dann gehen 20 Hände hoch, und ich kann zu denen sagen: Hallo, ich weiß genau, wie sich das anfühlt, wenn es zu spät ist. (lacht) Ich bin ein ganz normaler Vater, habe aber diesen komischen Job des Musikers. Da schleicht sich automatisch eine Art von Reflexion in deine Kunst hinein: Warum macht man etwas? Wie macht man etwas? Ist das normal, was man da macht? Meine Band und ich, wir sind vom Alter her sozusagen auf der Rückreise des Lebens. Das schweißt uns zusammen, und das thematisieren wir dann auch.

Hat das Vatersein Sie als Songschreiber verändert?

Uhlmann: Nein, überhaupt nicht. Ich fand es immer natürlich, dass ich irgendwann eine Tochter hatte. Zeit hat dadurch einen ganz anderen Art Wert bekommen. Meine Persönlichkeit auch.

Eines der schönsten Lieder auf "2" ist "Ich gebe auf mein Licht". Wovon handelt es?

Uhlmann: Manchmal funktioniert die Liebe ja trotz ihrer Größe nicht. Dann ist es so, dass man irgendwann aufgibt, aber weiß, dass die Person, die man hinter sich lässt, das Licht ist. Es ist ja so, dass die Leute sich nicht wie bei "Harry & Sally" trennen, sondern entnervt und fertig mit den Nerven aufgeben. Die Liebe ist zwar unschlagbar, dennoch klappt es nicht.

Eine ziemlich bittere Erkenntnis...

Uhlmann: Aber ohne Romantik geht es nicht. Man muss irgendwann akzeptieren, dass es nicht funktioniert.

Sie wollten früher Lehrer werden. Warum brachen Sie Ihr Studium ab?

Uhlmann: Weil ich immer nur an Musik gedacht und lieber meine ersten Tourneen gebucht habe, statt mich mit Linearer Algebra oder Shakespeare zu beschäftigen. In dem System Universität war ich nicht gut aufgehoben. Da fehlte mir der Zug, der Zwang zum Lernen.

Ist der Job des Sängers nicht mit dem des Lehrers vergleichbar? Schließlich wollen Sänger ihrem Publikum auch etwas mitgeben: von den persönlichen Erfahrungen.

Uhlmann: Bei mir ist das nicht so. Die einzige Gemeinsamkeit ist vielleicht, dass wir beide innerhalb eines gewissen Zeitfensters die Möglichkeit haben, die Leute von einer Sache zu überzeugen: der Lehrer von seinem Fach, ich von meiner Musik. Den Mob von Pubertierenden zu organisieren und zu rocken, das fand ich aber immer schon gut - sprich: diesen täglichen Kampf und das Sportive an der Sache.

Termin: Thees Uhlmann spielt am Dienstag, 12. November, 20 Uhr, in der "Garage", Saarbrücken, Bleichstraße.

garage-sb.de

theesuhlmann.de

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Hintergrund Musikkritiker Kai Florian Becker interviewt regelmäßig Musiker. Warum er diesmal Thees Uhlmann ausgewählt hat, begründet er so: "Auch wenn sein neues Album ‚2' zu poppig und zu glattpoliert geriet: Thees Uhlmann ist immer ein angenehmer und charmanter Gesprächspartner, der auf Floskeln verzichtet. Das ist im Musikgeschäft beileibe keine Alltäglichkeit. Wobei er gerne einfach drauflos redet und seine Sätze derart verschachtelt und endlos lang werden, dass es manchmal schwer fällt, noch mitzukommen." kfb