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„Ihr seid Hetzer“

Zahlreiche Politiker und Bürger beteiligten sich gestern Abend an einer Demonstration gegen Fremdenhass. Fotos: Becker&bredel
Zahlreiche Politiker und Bürger beteiligten sich gestern Abend an einer Demonstration gegen Fremdenhass. Fotos: Becker&bredel
Saarbrücken. Sie gehen auf die Straße gegen Fremdenfeindlichkeit, die AfD, „Pegida und Co.“: Mit einem Demonstrationszug haben gestern Abend rund 1600 Menschen der Hetze gegen Flüchtlinge eine lautstarke Absage erteilt. Johannes Schleuning

Sie ist fassungslos. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich in diesem Land noch einmal gegen Rechtsextreme auf die Straße gehen muss." Deren Gedankengut sei in der Gesellschaft offenbar noch immer weit verbreitet, sagt Emmi Beyer. "Das beunruhigt mich." Die 72-Jährige ist eine von rund 1600 Menschen, so die Schätzung der Polizei , die sich gestern Abend vor dem Saarbrücker Schloss versammelt haben. Sie demonstrieren unter dem Motto "Aufstehen - Laut gegen Rassismus und rechte Hetze" gegen eine nahezu zeitgleiche Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) sowie gegen "Pegida und Co". Natürlich, sagt die 18-jährige Demonstrantin Paula Votteler, werde es angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen Probleme geben. "Aber das ist doch kein Grund, dies auf dem Rücken dieser Menschen auszutragen. Die flüchten doch nicht zum Spaß."

Zu der Demo hatte unter anderem das Bündnis "Bunt statt braun" aufgerufen. Flagge zeigen dort auf dem Schlossplatz Parteien, Kirchen und Gewerkschaften. Sie tragen Plakate, auf denen sie etwa die Propaganda der AfD als "Armutszeugnis für Deutschland" bezeichnen oder "Nationalismus ist keine Alternative" deklarieren.

Von etlichen Polizeifahrzeugen begleitet ziehen die Demonstranten über die Wilhelm-Heinrich-Brücke vor das Staatstheater . Manche skandieren "bunt statt braun", andere blasen in Trillerpfeifen. Doch um kurz nach 19 Uhr kehrt absolute Stille vor dem Staatstheater ein, nur der Feierabend-Verkehr ist zu hören: Mit einer Schweigeminute gedenken die Demonstranten der vielen Flüchtlinge , die auf dem Weg nach Europa ihr Leben ließen. In Redebeiträgen beschwören Politiker und der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Eugen Roth , ein "mitmenschliches, weltoffenes und tolerantes Saarland". Der Grünen-Landtagsabgeordnete Michael Neysius ruft in Richtung der AfD: "Ihr seid erbärmliche Trottel, (…) ihr seid Hetzer." Und Landtags-Vizepräsidentin Isolde Ries (SPD ) appelliert: "Es ist ohne Wenn und Aber unsere Pflicht, den Flüchtlingen unsere Hand zu reichen.".



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