Ideen-Offensive im Advent

Studenten erleben beim Designbazaar der Kunsthochschule, wie lang der Weg vom Einfall über die Herstellung bis zum Produkt und dessen Vermarktung ist. Ihre Ideen gibt's in der Fröschengasse zu kaufen.

Regina Fischer (26) sucht am Computer die Druckvorlagen für ihr Kniffel-Spiel. Sie gehört zu 15 angehenden Produktdesignern der Hochschule der Bildenden Künste, die beim Designbazaar dabei sind. Mit dem Adventskranz, der mit nur einer Kerze auskommt, Schmuck aus Keramik, Tassen und vielem mehr. Von jedem Produkt gibt's höchstens 20 Stück. "Deshalb ist jedes etwas Besonderes", sagt Lisa Brödlin (20). Vor ihr liegt ein Fächer, in dessen Oberfläche ein Muster gefräst ist. Alle 15 Studenten fertigen drei Produkte. Eines davon muss mit dem Thema "Maske" zu tun haben, lautet die Vorgabe von Professor Nitzan Cohen.

Was die Studenten daraus machen, ist ihnen überlassen. Lisa entschied sich für Fächer, weil sie "maskieren und verbergen, aber auch erzählen": Im 18. Jahrhundert bedienten sich die Damen ihrer Fächer, um Herren Botschaften zukommen zu lassen, sagt sie. Der schwierigste Part? "Die Firmensuche. Die jubeln nicht, wenn man nur eine Kleinserie in Auftrag gibt." Brödlin telefoniert, kalkuliert: "Wir Studenten sollen das echte Berufsleben trainieren", sagt sie.

Kommilitonin Paula Kaminski (23) erlebte 2012 mit ihren Bienenwachskerzen "Chaos und Realität pur".

Das Material war zu teuer, der Aufwand zu groß: "Kaum mehr als elf Cent Stundenlohn dürften es nicht gewesen sein", sagt sie. Diesmal bietet sie Porzellantassen mit Tiergesichtern in den Böden. "Wer trinkt, setzt sich die Maske eines Tieres auf." Yi Dong (24) fertigte Jute-Masken. Chinesische Zeichen darauf bedeuten "Angst", sagt er und zieht lachend die Maske über: "Ob Saarbrücker das verstehen?", fragt jemand. Jeder lacht.

Im Sommer beginnt die Bazaar-Vorbereitung: "Man weiß: Ich brauche 250 bis 500 Euro fürs Material und die Produktion. Wir jobben, damit wir teilnehmen können", so Lisa. Und doch lohnt sich die Mühe, "weil wir viel lernen", sagt Sulfida, "wir müssen die Kosten von Material, Produktion und Miete reinholen, wollen aber unsere Sachen nicht zu teuer machen. Sie sollen ja gekauft werden." Die Projektleiter Cohen und Hannes Käfer motivieren die Schützlinge, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Tim Vollmers Verkaufsargument: Seine Keramikanhänger "gibt's sonst nirgends auf der Welt". Den 3-D-Keramikdrucker für die Formen hat nur die HBK. "Wir bauten ihn zu fünft innerhalb eines Jahres. Er ist unsere Erfindung."

Info: Designbaazar bis 23. Dezember, montags bis freitags 16 bis 20 Uhr, samstags 11 bis 19 Uhr, Fröschengasse 10.

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