Ich will Saarbrücken unten sehen!

Auf der untersten Stufe ist das Leben am schönsten, glaubt SZ-Redakteur Fabian Bosse.

Meinung:

Ich will Saarbrücken unten sehen!

Ich fände es gut, wenn Saarbrücken ein Schwellenland wäre. Wo die Erwachsenen und Kinder an der ersten Stufe hängenbleiben und der Weg nach oben verbaut ist. Seit mein Sohn sitzen kann, hocken wir bei uns vor der Haustür. Es gibt leider keinen bei uns in der Straße, der unser Hobby teilt. Die Kinder von Gegenüber kommen zwar manchmal raus. Aber nur zu ihrem Weitertransport. Der Geigenkasten lässt vermuten, dass sie intensiv gefördert werden. Ich fördere bei meinem Sohn seine sogenannte "street credibility". Ansonsten ist vor unserer Tür nicht viel los. Ab und zu kommen alte Leute vorbei und tätscheln. Meist nur den Kopf meines Sohnes. Mich halten sie, glaube ich, für asozial, weil ich vor dem Haus rumlungere.

Jetzt soll hier nicht der Eindruck aufkommen, ich mag keine Spielplätze. Da gehe ich auch hin, vor allem, weil meine Frau das viel kultivierter findet. Sie sagt, vor die Tür stellt man Sperrmüll, nicht die Familie. Aber ich finde, dass es nichts Beruhigenderes gibt, als auf dem Treppenabsatz zu sitzen und zuzuschauen, wie der Knirps den Bürgersteig in einer Endlosschleife entlangfährt. Hoch und wieder runter. Ohmmm.

Am zweitschönsten ist das auf der Schwelle hocken und quatschen. Mein Sohn kann zwar noch nicht zitierfähig sprechen. Trotzdem reden wir stundenlang: "Auto?" "Ja, das ist ein Auto". "Auto?". "Nein, das ist ein Bus". "Auto?" "Nein, eine Frau mit Rollator". Ich glaube, hier unten auf der Schwelle ist das wahre Leben. Hier trifft man Nachbarn, die man sonst nur vom Geräusch der Klospülung kennt. Hier unten haben Leute, die Knöllchen verteilen, noch ein Gesicht. Hier ist Saarbrücken . Was für Ausreden gibt es, sich nicht einmal täglich auf die Türschwelle zu hocken? Es gibt keine. Und kommt mir jetzt keiner mit Facebook oder G 8.

Ich bin der festen Überzeugung, der Anfang einer neuen Bewegung zu sein. Deshalb, liebe Saarbrücker, lasst uns die Stadt zum Schwellenland machen.