"Ich kämpfe mit mir selbst"

Warum ging das mit Hyperchild schief?Bosse: Ich glaube, wir waren allesamt total überfordert. Wir waren sehr jung, als wir den Plattenvertrag unterschrieben. Dann waren wir extrem viel auf Tour, was eine ganz neue Situation für uns war. Da merkten wir, dass uns das körperlich und finanziell überforderte. Wir hatten teilweise nicht mal Geld für Zigaretten

Warum ging das mit Hyperchild schief?Bosse: Ich glaube, wir waren allesamt total überfordert. Wir waren sehr jung, als wir den Plattenvertrag unterschrieben. Dann waren wir extrem viel auf Tour, was eine ganz neue Situation für uns war. Da merkten wir, dass uns das körperlich und finanziell überforderte. Wir hatten teilweise nicht mal Geld für Zigaretten. Letztlich war der Grund fürs Scheitern der, dass wir musikalisch nicht mehr zusammenkamen.

Ganz unproblematisch verlief Ihre Solokarriere auch nicht: Zwei Majoralben, die Trennung und ein erster Achtungserfolg mit Ihrem dritten Album "Taxi". Just waren Sie mit "Wartesaal", ihrem vierten beim Major Universal Music erschienenen Werk, in den Top 20. Wovon zeugt das: von Durchsetzungswillen, Glück oder Können?

Bosse: Glück und Durchsetzungswillen gehören immer dazu. Glück vor allem beim Songschreiben. Bei "Taxi" hatte ich in all den Jahren, in denen ich Musik mache, erstmals das Gefühl, dass es funktioniert und sich alles zum Positiven verändert. Zudem habe ich mich musikalisch verändert - genauso wie mein Publikum. Ich musste mich erst einmal als Musiker finden und erkennen, was ich mag, kann und sagen will.

Mit ein Grund für den Erfolg könnte auch sein, dass deutsche Singer-Songwriter derzeit sehr angesagt sind und wie Pilze aus dem Boden schießen. Ist es für Sie eine Genugtuung, dass Sie einer der ersten waren und nicht einer derer, die jetzt schnell noch auf den Zug aufspringen oder von Plattenfirmen auf diesen geschmissen werden?

Bosse: Ich freue mich darüber, dass die Leute mittlerweile Lust haben, "Text-Musik" zu hören. Ich möchte nicht wie der Opa der deutschen Musiklandschaft rüberkommen, aber ich habe in den letzten Jahren viel erlebt und war dabei, als Wir sind Helden und Mia ihre ersten Alben veröffentlicht haben. Und auch Kettcar kenne ich schon lange. Von daher habe ich irgendwie das Gefühl, mit diesem aktuellen Trend nichts zu tun zu haben. Im Grunde bin ich froh, dass ich nicht ganz neu bin. Ich war immer schon etwas anders: Ich kämpfe mit mir selbst, um gute Alben zu machen. Mein nächstes wird sicherlich nicht so klingen wie das der anderen Singer-Songwriter.

Die jüngste Single "Frankfurt Oder" ist ein Duett mit Schauspielerin und Silly-Sängerin Anna Loos. Wie kam das zustande?

Bosse: Anna und ich haben uns vor fünf Jahren kennengelernt. Wir mochten uns auf Anhieb, trafen uns, tauschten uns aus und schrieben einen Text zusammen. Als ich jetzt den Song "Frankfurt Oder" neu auflegen wollte, bot ich Anna an, mitzusingen. So einfach war das.

Axel Bosse. Foto: Patrick Wams.

Termin: Bosse live am 6. Dezember um 20 Uhr in der Garage in Saarbrücken. Karten: www.garage-sb.de