„Ich fühle mich hier zu Hause“

Noch kennen sie im Saarland nur wenige: Catherine Robinet hat ihr neues Amt am Saarbrücker Ludwigsplatz angetreten. Im Gegensatz dazu ist Saarbrücken für die französische Generalkonsulin kein unbeschriebenes Blatt.

Dieses Gefühl, wenn etwas fremd ist und einem gleich doch so bekannt vorkommt - das verspürte Catherine Robinet, als sie vor ein paar Tagen durch die Saarbrücker Bahnhofstraße ging. "Damals war es noch keine Fußgängerzone, aber an die Kaufhäuser kann ich mich noch gut erinnern." Die Frau aus Forbach ist zurück in der Grenzregion. Anfang September trat sie ihr Amt als französische Generalkonsulin im Saarland an. Dass ihre Nominierung hier keinem Stühlerücken unter Diplomaten geschuldet ist, sondern unser Bundesland ihr Wunschort war, stellt sie von Anfang an klar. 2012 hatte sie sich schon um den Posten beworben. Als es nicht klappte, bewarb sie sich 2014 wieder und erhielt kurz darauf Aussicht auf den Wechsel. "Ich wollte das unbedingt und bin ziemlich hartnäckig", sagt sie.

Die erste bewusste Erinnerung an Saarbrücken hat Robinet als sie sechs oder sieben Jahre alt war: "Wir kamen in der Vorweihnachtszeit von Forbach in die Großstadt zum Einkaufen." Bereits damals habe sie gedacht, wer so nah an der Grenze wohnt, sollte unbedingt Deutsch lernen. Doch in der Forbacher katholischen Schule Providence gehörte sie zu den schlechtesten Schülerinnen in diesem Fach. "Alle meine Mitschülerinnen sprachen in ihrer Familie Platt. Da meine Eltern ursprünglich aus dem Süden Lothringens kamen und nach Forbach wegen der Arbeit gezogen waren, konnte bei uns niemand Deutsch", sagt sie. Die Liebe zur deutschen Sprache entdeckte sie viel später, als sie 1995 als Austauschbeamtin den Dienst im Auswärtigen Amt in Bonn antrat: "Das war für mich wie eine Offenbarung, es machte mir richtig Spaß, mich wieder mit dieser Sprache zu beschäftigen." Heute spricht Robinet sehr gut Deutsch, auch wenn sie selbst meint, "die Deklinationen habe ich noch nicht ganz drauf". Sie ist nicht nur hartnäckig, sondern auch eine Perfektionistin, die von Beginn an einen klaren Karriereplan verfolgte.

"Ich habe mich immer für Europa interessiert, für die Zusammenhänge, für die Beziehungen zu den Drittstaaten, für die Entwicklung des europäischen Projekts", erzählt sie. Zugleich schätze sie an der Verwaltung die strukturierte Arbeitsweise, sie sei "eine echte Beamtin" - und in welchem Berufsfeld ließen sich beide Facetten so gut in Einklang bringen wie im diplomatischen Dienst?

Wie Europa tickt, das konnte Robinet schon an zahlreichen Orten erleben. Von Bonn über Bern, Straßburg, Ankara und bis nach Sarajewo führte sie ihre Karriere als Diplomatin. Zuletzt arbeitete sie im Außenministerium in Paris. Wie ist der Wechsel von einer Millioneneinwohnerstadt wie der französischen Hauptstadt nach Saarbrücken ? "Sehr angenehm. Hier fühle ich mich zu Hause, vieles ist mir vertraut, es gibt keine Hektik, und außerdem sind die Menschen sehr hilfsbereit." Vom Bankberater bis zum Verkäufer im Handyladen um die Ecke hätten sich alle Zeit für sie genommen, berichtet die 49-Jährige. Noch blieb ihr wenig Zeit, um durch das Saarland auf Tour zu gehen. Doch bereits der erste private Ausflug führte sie hoch hinaus, auf den Baumwipfelpfad mit Blick auf die Saarschleife. "Ich habe leichte Höhenangst, mir war anfangs nicht so geheuer, aber ich wollte unbedingt bis nach ganz oben und habe das bei dem Ausblick nicht bereut." Und schon wieder hat sich Hartnäckigkeit gelohnt.