"Ich denke mittlerweile sogar auf Deutsch"

Saarbrücken. Am 17. Januar bekam die gebürtige Russin Ekaterina Eisfeld (34) im Rathaus St. Johann ihre deutsche Einbürgerungsurkunde. "Ich habe lange mit mir gerungen", sagt die Diplombetriebswirtin, "denn ich wusste, wenn ich Deutsche werden will, muss ich meine russische Staatsbürgerschaft ablegen

 Ekaterina Eisfeld ist jetzt Deutsche und gab ihre russische Staatsbürgerschaft auf.  Foto: Iris Maurer

Ekaterina Eisfeld ist jetzt Deutsche und gab ihre russische Staatsbürgerschaft auf. Foto: Iris Maurer

Saarbrücken. Am 17. Januar bekam die gebürtige Russin Ekaterina Eisfeld (34) im Rathaus St. Johann ihre deutsche Einbürgerungsurkunde. "Ich habe lange mit mir gerungen", sagt die Diplombetriebswirtin, "denn ich wusste, wenn ich Deutsche werden will, muss ich meine russische Staatsbürgerschaft ablegen." Eine doppelte Staatsbürgerschaft war nicht möglich, denn "Deutschland erwartet, dass Russen sich ausbürgern lassen". Trotzdem stellt sie vor zwei Jahren den Antrag auf Einbürgerung. "Ich habe damit abgeschlossen, nach Russland zurückzukehren. Mein Leben ist jetzt hier. Ich denke mittlerweile sogar auf Deutsch." Seit 2002 lebt sie in Deutschland. Erst im bayrischen Schwandorf, seit Dezember 2011 in Saarbrücken. Ein kleiner russischer Akzent und ein bayerischer Dialekt durchziehen ihr perfektes Deutsch. "Ich glaube, ganz werde ich das nie los", sagt sie lachend. Als sie vor elf Jahren nach Deutschland auswanderte, ließ sie ihre Familie, ein großes Haus, eine gut laufende Gartenbaufirma und ihren Beruf als Grundschullehrerin zurück. "Die Familie meines Ex-Mannes sind Russlanddeutsche. Mein Schwager lebte mit seiner Familie schon sechs, sieben Jahre ein zufriedenes Leben in Deutschland. Er schwärmte uns von all den Möglichkeiten hier vor. Unser Sohn war damals zwei. Auch wegen ihm haben wir Russland verlassen. Hier hat man doch mehr Chancen."

Angst vor der Fremde hatte sie nicht. Schon als Kind verließ sie mit ihren Eltern ihren Geburtsort Kopani in der heutigen Ukraine: "Mein Vater war Berufsoffizier bei der Marine. Er wurde oft versetzt. Bis zu meinem Abitur habe ich sechsmal die Schule gewechselt." Neben einer Handvoll Stationen in der früheren UdSSR lebte die Familie drei Jahre in Tripolis, Libyen. "Die vielen Umzüge waren ein gutes Training", sagt sie rückblickend: "Ich kann mir sehr schnell, egal wo, ein schönes Zuhause aufbauen."

Doch der Neuanfang in Deutschland war nicht immer leicht: "Unsere ersten Jobs bekamen wir über Zeitarbeitsfirmen. Zermürbende Arbeit am Fließband", erinnert sie sich. Doch mehr als die immergleiche Arbeit stört sie der Umgang: "Wenn man uns nicht mehr braucht, hat man uns einfach rausgeschmissen. Von heute auf morgen."

Eisfeld will aber mehr erreichen. 2005 schrieb sie sich an der Fachhochschule in Amberg-Weiden für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre ein. "Mein Ex-Mann wollte das nicht. Vielleicht war ich ihm zu selbstbewusst. Unsere Ehe ist daran gescheitert", sagt sie heute. Mittlerweile ist sie seit acht Jahren mit einem Deutschen liiert. "Mein Lebenspartner ist auch der Grund, warum ich jetzt in Saarbrücken lebe. Er hat hier 2010 eine neue Aufgabe angetreten. Ich bin ihm ein Jahr später gefolgt."

 Ekaterina Eisfeld am St. Johanner Markt.Foto: Iris Maurer

Ekaterina Eisfeld am St. Johanner Markt.Foto: Iris Maurer

Gerade ist Eisfeld Trainee bei der Kreissparkasse Saar-Pfalz in Homburg. "Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, auch weil wir ein Multikultiteam sind", sagt sie strahlend. ceg

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