„Ich bin ich, weil Du Du bist“

Jugendliche aus vier Ländern mit insgesamt 14 ethnischen Zugehörigkeiten proben zurzeit für das Stück „#P.O.S.T.14 – Jugend nach 1914/2014“, das am Mittwoch im Rahmen des Festivals Perspectives Premiere feiert.

Ein Pulk Jugendlicher bewegt sich zu HipHop-Beats auf dem Schulhof des Willi-Graf-Gymnasiums. "Das ist so geil!" quietscht ein Mädchen. Ihre Begeisterung gilt dem schweißtreibenden Training für "#P.O.S.T.14 - Jugend nach 1914/2014", ein internationales Tanztheaterstück, das Pastoralreferent Heiner Buchen vom Dekanat Saarbrücken initiiert hat. Die Premiere lief 2014 in Sarajevo: Rund 50 Jugendliche aus dem Saarland, dem Département Moselle, Bosnien-Herzegowina und Rumänien hatten sich, 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, mit Krieg und Versöhnung auseinandergesetzt.

Nun wird für die deutsche Premiere im Rahmen von "Perspectives" geprobt; die choreografische Leitung hat die Kölnerin Daniela Rodriguez. Veranstalter sind das Dekanat Saarbrücken des Bistums Trier und die Association de parrainage-jumelage Forbach; wichtigste Förderer sind das Deutsch-französische Jugendwerk, das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und die Robert-Bosch-Stiftung. "#P.O.S.T.14" ist die Fortsetzung von "Grenzerde", einem Tanzprojekt mit Jugendlichen, das sich 2013 auf den Spicherer Höhen mit deutsch-französischer Geschichte beschäftigte.

Die positive Erfahrung hat Buchen zum Weitermachen ermutigt: "Ich hatte schon immer den Traum, mit Jugendlichen aus der Grenzregion an Orte in Europa zu reisen, die eine Kultur des Zusammenlebens haben." Erstes Wunschziel war Sarajevo, wegen der historischen Relevanz im Ersten Weltkrieg und im jugoslawischen Bürgerkrieg. Dort besuchten die jungen Tänzer unter anderem auch die Gräber von Srebrenica. Bei der Wiederaufnahme sind nun Jugendliche aus vier Ländern mit insgesamt 14 ethnischen Zugehörigkeiten beteiligt; die Altersspanne reicht von 13 bis 20, die meisten sind zwischen 16 und 18 Jahren alt.

Die Teilnehmer warb Buchen hauptsächlich in Lothringer und Saarbrücker Schulen und Jugendzentren und ging dafür regelrecht Klinken putzen. Denn Buchen wollte das Projekt für alle Kulturen und Religionen und besonders für benachteiligte Jugendliche offen halten - sich den Anforderungen der Einwanderungsgesellschaft zu stellen, Vorurteile abzubauen und Teilhabe und Vielfalt zu ermöglichen, sind Buchens Hauptanliegen. So entwirft "#P.O.S.T.14" auch eine Utopie für ein friedliches Europa und ein Miteinander der Kulturen: "Ich bin ich, weil Du Du bist" heißt es am Ende in einem Text des bosnischen Schriftstellers Dzevad Karahasan, der zur Zeit des jugoslawischen Bürgerkriegs entstand.

P.O.S.T.14: Mittwoch, 20. Mai, 19.30 Uhr, Osthalle am Römerkastell.

sarajevo14.eu