Serie "Arbeitsplatz Krankenhaus" : Hypnose gegen chronischen Schmerz

Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – so lange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem hilfsbereite Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, falls uns das Glück verlässt – oder uns auf dem Weg ins Leben beistehen. Heute: der Psychologe Charles Kimelman.

Charles Kimelman hat ein Spezialgebiet, das viele als erstes mit Zaubervorführungen in Verbindung bringen: Hypnose. Anders als dort ist die medizinische Hypnose aber kein Mittel, um die Kontrolle über einen anderen Menschen zu gewinnen. "Sie soll die Situation des Patienten verbessern", sagt Kimelman. Seine Leidenschaft für Hypnose hat der 58-Jährige während des Studiums entdeckt. Damals ist die Hypnose als Therapieform gerade neu aufgekommen. Kimelman machte sie schnell zu seinem Steckenpferd.

"Ich hatte damals das Gefühl, dass man damit Positives bewirken kann. Inzwischen gibt es etliche Studien, die das belegen. Hypnose boomt regelrecht", erklärt Kimelman.

In der Schmerzklinik der Dudweiler Caritasklinik St. Josef behandelt der Psychologe, der zehn Jahre in Louisiana gelebt hat, damit vor allem Patienten , die seit Jahren unter chronischen Schmerzen leiden. "Wir wollen den Menschen beibringen, mit ihrem Schmerz umzugehen, auch wenn er nicht ganz verschwindet." Da könnten auch Verhaltensänderungen und Entspannungstechniken oft schon viel bewirken, sagt der Psychologe. Die multimodale Schmerztherapie geht davon aus, dass Schmerz unterschiedliche Ursachen hat. Neben der Psychotherapie und der Hypnose sollen dem Patienten auch Krankengymnastik und Ergotherapie helfen. Meist können dadurch Schmerzmittel reduziert werden. Um das zu erreichen, arbeiten Spezialisten aus mehreren Fachbereichen zusammen. Kimelman kann sich nichts Besseres vorstellen: "Ich bin ein Teamplayer und lerne gerne von meinen Kollegen. Deshalb war es auch immer mein Traum, im Krankenhaus zu arbeiten." Sein Büro hat er mit vielen Grünpflanzen dekoriert. Sie stehen überall: an der Tür, vor dem Fenster, um den Schreibtisch herum. Auf seine Pflanzen ist Kimelman besonders stolz: "Ich liebe die Natur."

Und eine angenehme Atmosphäre sei auch für die Gespräche mit den Patienten wichtig. "Ich muss mich ja mit den Persönlichkeiten der Menschen beschäftigen", erklärt der 58-Jährige. Aber wie reagieren die auf die Hypnotherapie?

Anfangs seien viele skeptisch oder zumindest abwartend. "Natürlich ist da Vertrauen wichtig. Die Patienten müssen spüren, dass ich niemand bin, der ihnen ein X für ein U vormacht. Am Ende sind sie oft motiviert, mehr aus den Erfolgen zu machen." Sich selbst darf der Psychologe dabei nicht zu wichtig nehmen. Denn letztlich soll er als Hypnosetrainer überflüssig werden und die Patienten sollen sich im Anschluss an den Klinikaufenthalt selbst in Hypnose versetzen können.

Wenn er nicht gerade in der Klinik ist oder irgendwo Vorträge hält, genießt Kimelman die Zeit mit seiner Großfamilie. Das älteste seiner acht Kinder ist 31, das jüngste 16 Jahre alt. Inzwischen ist er sogar zweifacher Großvater. Eines seiner Rezepte für innere Ausgeglichenheit: Spaziergänge. Mindestens eine Stunde lang spaziert Kimelman täglich mit seiner Frau und den zwei Hunden durch den Wald, erzählt er: "Wir reden dann über unseren Tag. So etwas wirkt wahre Wunder."