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Hobbys helfen aus dem Loch

Saarbrücken. Ersehnt und gefürchtet: der Ruhestand. Was passiert, wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen? Wie groß ist die Angst, nicht mehr zur Arbeitswelt zu gehören? Wir haben Saarbrücker gefragt, wie sie ihren Ruhestand erleben. Heute: Otto-Werner Schade. Jennifer Siegler

"Zunächst ist es, als wenn man in ein tiefes Loch fällt. Alles bricht weg." So beschreibt Otto-Werner Schade, der ehemalige Geschäftsführer der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit , den Beginn seines Ruhestandes. Für ihn war es sehr schwer loszulassen und die Verantwortung in die Hände eines Nachfolgers abzugeben. Seit 2010 ist er nicht mehr im Amt und hat sich mittlerweile damit arrangiert, nicht mehr verantwortlich für das Geschehen an seinem ehemaligen Arbeitsplatz zu sein. "Ich habe sehr lange gebraucht um den Übergang in den Ruhestand zu schaffen. Etwa ein halbes Jahr habe ich einen Zusatzjob in der Zentrale der Agentur übernommen um mir den Ausstieg zu erleichtern" schildert der 70-Jährige. "Anfangs verfolgte ich das ganze Geschehen noch in der Presse. Manches mal hätte ich mich gerne eingemischt, aber das wäre unfair gegenüber meiner Nachfolgerin gewesen", verrät Schade, der nun entspannt die Zeitung lesen kann. Er war mit Leib und Seele mit seiner Arbeit verbunden und konnte sich trotz langer Arbeitstage nie einen anderen Beruf vorstellen.

Mittlerweile genießt er die Zeit zu Hause. Zusammen mit seiner Frau bereitet Otto-Werner Schade gerne das Abendessen zu. "Eigentlich bin ich eher der Sous-Chef, aber mir bereitet es Freude mit meiner Frau ein tolles Abendessen zu kochen", erzählt er mit einem Lächeln. Auch der Urlaub kommt jetzt nicht mehr zu kurz. Der Pensionär macht jedes Jahr mit seiner Frau einen Urlaubstrip nach Italien und im Frühjahr freut sich das Paar über ausgedehnte Wanderungen im Schwarzwald. Außerdem ist Schade sozial engagiert; sowohl im Rotary-Club als auch im Deutsch-Rumänischen Freundeskreis, in dem er sich um die Sanierung und Ausstattung von Behindertenheimen für Kinder in Rumänien kümmert. "Wir sammeln auch Spenden, um den Kindern Weihnachtsgeschenke zu kaufen und Second Hand Kleidung mitzubringen", so Schade, der einmal im Jahr nach Rumänien fährt um sich die Lage vor Ort anzuschauen.

Wenn er nicht gerade sozial engagiert ist, in Urlaub fährt oder kocht, ist das Golfen ein Hobby von ihm. "Ich war schon immer sportbegeistert und das Golfen mit meinen Freunden macht sehr viel Spaß."

Wenn er es etwas ruhiger angehen lassen möchte, dann macht der ehemalige Chef es sich in seinem Schaukelstuhl bequem und liest ein Buch. Sein neuester Schmöker ist "Winter der Welt" von Bestseller-Autor Ken Follett . Alles in allem hat er seinen beschwerlichen Weg in den Ruhestand gemeistert. "Seine" Arbeitsagentur ist jetzt die Arbeitsagentur anderer geworden - auch in seinem Kopf.