Hilferufe aus dem Botanischen Garten

Die Hilferufe des Leiters des Botanischen Gartens im Saarland werden lauter. Wolfgang Stein vermisst solidarische Äußerungen aus der Saar-Politik angesichts der Streichungen von Gärtnerstellen.

Auf dem Rasen des Arboretums, der mit amerikanischen Mammutbäumen oder kanadischen Zuckerahörnern bewachsenen Außenfläche des Botanischen Gartens der Saar-Uni, schmust ein junges Pärchen unter dem gewaltigen Blätterdach einer Eiche. Auf den Bänken sonnen sich Menschen, die dem hektischen Alltag für eine Zeit lang entfliehen. Und sich den Farbspielen, dem Duft und dem Rauschen der Pflanzen hingeben, die aus allen Erdteilen eine neue Heimat am Eingangstor des Saarbrücker Uni-Campus gefunden haben.

Doch diese kostenlose Idylle ist vom Sparzwang des Landes ernsthaft bedroht. "Liebe Saarländer, schaut was ihr verliert", sagt Wolfgang Stein, 58, seit 1998 Chef des Botanischen Gartens. Stein, ein hagerer Läufer-Typ mit vielen Lachfalten im Gesicht, kämpft wie ein Löwe für den einzigen Botanischen Garten des Saarlandes, die nächsten sind in Metz und Saverne zu finden. Im Januar erschien in der SZ ein Interview mit Stein, in dem er den bevorstehenden "Tod auf Raten" beschrieb. "Von neun Gärtnerstellen sind bis heute 4,3 übrig geblieben. Im März 2016 geht ein weiterer Gärtner in Rente. Wegen des Sparkurses der Uni soll diese Stelle nicht wiederbesetzt werden. Wie soll ich da die Öffnungszeiten noch gewährleisten?", sagt Stein bitter.

Da ist wirklich guter Rat teuer, denn der Botanische Garten hat keine starke Lobby mehr, auf die er sich stützen könnte. Bereits 1999 drohte dem Garten mit dem Ende der botanischen Forschung an der Saar-Uni das Aus, doch 10 000 Unterschriften und massiver politischer Gegenwind verhinderten dies. Es bildete sich ein Förderkreis Botanischer Garten . Auch den zweiten Versuch, dem Botanischen Garten den Garaus zu machen, konnte Stein nach eigenen Angaben verhindern. Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU ) habe versucht, den Garten in Reden anzusiedeln. "Er ist gescheitert, hat uns aber einen Gärtner abgezogen", so Stein. Der erfahrene Streiter zweifelt jedoch daran, dass heute eine Unterschriftenaktion den Erfolg hätte wie 1999. "Ich fürchte, dass die Solidarität nicht mehr so hoch ist. Alle müssen ja sparen, das kann schnell ein Rohrkrepierer werden", sagt der Akademische Direktor.

Doch wie will er dem schleichenden Stellenabbau, der "Wiederbesetzungssperre" heißt, begegnen? "Das Auslaufen heißt: Es ist kein Termin da, an dem ich tot bin", sagt Stein. Er setzt jetzt als Notlösung auf Sponsoren , die zumindest die 40 000 Euro für die ab März 2016 wegfallende Gärtnerstelle aufbringen. "Naturwaren Theiss hat mir bereits eine vierstellige Summe in Aussicht gestellt, ich hoffe, weitere Sponsoren zu finden", erklärt Stein.

Das Schmuckstück des Botanischen Gartens sind die Gewächshäuser, in denen Stein jeden Besucher zum Staunen bringen kann. Die Mimose, die auf einen sanften Schlag mit dem kompletten Einrollen ihrer Blätter reagiert, die Wunderbeere, die das Geschmacks empfinden von sauer auf süß umpolen kann, die Erdnüsse , die ungeröstet wie frische Erbsen schmecken: Stein kann stundenlang faszinierende Erklärungen zu den Exoten liefern. "Über die Pflanzen erreiche ich die Herzen der Menschen", sagt der 58-Jährige.

Wie viele Herzen er im Saarland erreichen kann, um den Botanischen Garten zu retten, wird zum Gradmesser im Überlebenskampf. Und es müssen starke Herzen sein.