Hilfe-Netz braucht Verstärkung

Integrationslotsin, Jugendmigrationsdienst und die Stadt Neunkirchen kümmern sich um Asylbewerber in unserer Region. Die Profi-Helfer mahnen aber an: Ohne Ehrenamtler geht es nicht.

Auch in unserer Region steigt die Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern. "Deshalb müssen auch unsere Strukturen wachsen", sagen diejenigen, die das professionelle Hilfe-Netz für die Neuankömmlinge gemeinsam knüpfen, aufspannen und halten. Das gelte auch für ehrenamtliche Strukturen: "Denn ohne Ehrenamtler geht es nicht." Zum Juli hat jetzt die Caritas eine Schulung zu "Willkommenspaten" gestartet. Bleiben wir bei den professionellen Strukturen: Da gibt es die vom Land bezahlte Integrationslotsin im Landkreis Neunkirchen unterm Dach des Caritasverbandes Schaumberg-Blies. Dann engagiert sich der Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werks an der Saar, finanziert vom Bund. Die Integrationslotsin kümmert sich um Kinder und Erwachsene, in Absprache mit ihr der Jugendmigrationsdienst um Jugendliche zwischen 12 und 26 Jahren. Und die Stadt Neunkirchen ist noch im Boot mit ihrem Amt für Soziale Dienste. Eine Kompetenz, die die anderen sechs Kreis-Kommunen nach Auflösung der Sozialämter nicht mehr haben. Die Kreisstadt leistet die Erstversorgung - Wohnraum, Unterhalt, Anmeldung - in Eigenregie. Für die anderen Kreis-Kommunen übernimmt die Integrationslotsin.

"Die Caritas fordert eine Verdopplung der Stellen", sagt Amalia Beckin, die Lotsin im Landkreis Neunkirchen , beim Redaktionsbesuch mit Vertretern des regionalen Hilfe-Netzes. Im Jahr 2011, erzählt sie, hat sie insgesamt 146 Personen betreut, in diesem Jahr bereits 140 in den ersten fünf Monaten. Zu ihren originären Aufgaben - frühe Hilfen für den individuellen Integrationsprozess von Neuzuwanderern aus der EU und Drittländern - ist im Oktober 2013 das Klientel der Asylbewerber hinzugekommen. Die Diplom-Pädagogin begleitet, berät, unterstützt: "Für alles, was der Alltag an Fragen und Problemen aufwirft." Von Arzttermin bis Schulbesuch, von Hausordnung bis Mülltrennung. "Wir versuchen so viel wie möglich individuell zu betreuen. Aber so, wie wir das ursprünglich gemacht haben, können wir nicht mehr arbeiten." Als Entlastung hat Amalia Beckin mit ihrer Dreiviertelstelle seit Mai noch Maissa Awad-Sayegh an ihrer Seite: mit einer halben Stelle, auf sechs Monate befristet, finanziert durch Spenden. "Die Politik ist am Zug. Es müssen Ressourcen freigemacht werden. Es braucht Stellen in den Wohlfahrtsverbänden und in den Gemeinden."

Diplom-Pädagoge Walter Schnell vom Jugendmigrationsdienst Neunkirchen betreut seit Oktober 39 Jugendliche. "Wir suchen die Jugendlichen auf und schauen, was individuell benötigt wird."

Die Erstversorgung erreicht alle. "Die Flüchtlinge fragen sich untereinander aber schon, warum es danach bei einem schneller geht als bei einem anderen", erzählen die Helfer. Die Antwort gibt ihr Status: "Aufenthalt" oder "kein Aufenthalt". So ist das erteilte Aufenthaltsrecht auch Voraussetzung, um an einem Integrationskurs teilzunehmen: "Und die Sprache lernen ist das Wichtigste", sagen unsere Gäste. Die Bildungsträger machten sich dabei keine Konkurrenz mehr, betont Schnell: "Im Landkreis haben wir inzwischen einen Verbund. Wir wollen die Menschen schnell in die Kurse bringen."

Für diejenigen, die kein Aufenthaltsrecht erhalten haben, gibt es niedrigschwellige Sprachangebote, zum Beispiel "Mama lernt Deutsch" der Caritas . Der Kurs in Neunkirchen - zweimal die Woche vormittags - ist kostenlos. Das Problem sind die Fahrkosten. Amalia Beckin: "Die können wir nicht bezahlen."

Wichtig sei, betonen unsere Redaktionsgäste weiter, die Flüchtlinge nicht zu eng zu betreuen: "Die haben meist viel im Herkunftsland und für den Weg zu uns geregelt. Sie brauchen nicht in allen Lebenslagen unsere Hilfe. Sie können gut organisieren und haben Ressourcen. Sie sind gut vernetzt." Zeljko Cudina, Integrationsbeauftragter der Stadt Neunkirchen : "Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe." Aber Aufarbeitung des Erlebten sei wichtig. Amalia Beckin: "Wo wir im Moment kaum drankommen ist die Traumatisierung." Schnell: "Die individuellen Schicksale sind uns zunächst mal unbegreiflich. Unvorstellbar, wenn man zum Beispiel seine Frau und sein Kind zurücklassen muss." < siehe : Wie die Stadt Neunkirchen die Erstversorgung der Flüchtlinge regelt. Und: Die SZ erklärt zentrale Begriffe zum Thema Flüchtlinge

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StichwortDen Verbund der Bildungsträger im Landkreis Neunkirchen bilden Dekra, Diakonisches Werk, Internationaler Bund und die VHS Neunkirchen . Die Integrationskurse bieten Basissprachkurs und Aufbausprachkurs mit jeweils 300 Stunden, dazu kommt ein Orientierungskurs "Grundkenntnisse der Rechtsordnung, Geschichte und Kultur" über 60 Stunden (Abschlusstest mit Zertifikat.) Weiter gibt es spezielle Kurse für Jugendliche und Menschen, die nicht lateinisch alphabetisiert sind, sondern zum Beispiel arabisch. red