Hilfe, die Karten kommen

SZ-Redakteurin Susanne Brenner würde gern ein paar Weihnachtskarten kaufen.

Wir sind, denke ich, eine großzügige Familie. Sind wir in der Stadt unterwegs, bekommt mindestens ein Bettler was. Wir unterstützen regelmäßig mehrere Umwelt- und Hilfsorganisationen. Und seit in der Familie ein Hund lebt, bekommt auch der Tierschutz öfter eine Spende. Eigentlich kaufe ich auch vor Weihnachten immer bei Unicef und den SOS-Kinderdörfern einen Karten-Stapel, damit auch die ärmeren Kinder der Welt ein bisschen von unserem Wohlergehen profitieren und von der Tatsache, dass ich gerne Weihnachtskarten verschicke.
Allmählich allerdings komme ich an eine Grenze. Ungefragt flattern mir nämlich seit ein paar Jahren oft schon Anfang November mehr oder weniger schöne Schmuckkarten ins Haus. Es ist ein, wie ich finde, hinterlistiger Trick einiger Hilfsorganisationen. Sie schicken mir ungefragt ein "Geschenk" und legen ein Überweisungsformular dazu. Damit ich, ganz freiwillig natürlich, etwas für die Karten bezahlen kann. Ich vermute mal, dass viele hilfsbereite Menschen sich auf diese Weise nötigen lassen. Ich weigere mich da meist.

Anfangs habe ich die Karten immer weggeworfen und mich geärgert, dass so auch noch Papiermüll produziert wird. Seit einiger Zeit bin ich dazu übergegangen, laut "Danke" ins Universum zu rufen und die Karten einfach zu benutzen. Das einzige Problem dabei: Unicef und SOS. Wenn ich all die kostenlosen Karten verschicke, bleibt keine Kapazität mehr für die - übrigens viel schöneren - Unicef- und SOS-Karten. So leidet dann die eine Hilfsorganisation unter den Aktivitäten der anderen. Ich löse das manchmal damit, dass ich mehr Leuten Karten schicke als geplant - was ja eigentlich gut ist. Aber das macht mir mehr Vorweihnachtsstress - was wiederum schlecht ist. Ich überlege nun, eine eigene Hilfsorganisation zu gründen, die mir beim Kartenschreiben hilft. Wenn wir nicht genug Spenden bekommen, können wir ja vielleicht ein paar Geschenkkarten verschicken …