„Hier muss man seitenverkehrt arbeiten“

Kostproben vom grafischen Schaffen an der Hochschule der Bildenden Künste sind in der Ärztekammer das Saarlandes zu sehen. Bei Führungen erhalten die Besucher außerdem Einblick in die einzelnen Drucktechniken.

Anhand der Druckplatten und Probeabzüge, die er auf der Empfangstheke der Ärztekammer ausgelegt hat, gibt Dirk Rausch Einblick in das druckgrafische Arbeiten an der Saarbrücker HBK (Hochschule der Bildenden Künste). "Wenn die Vorlage auf das Polyestergewebe übertragen ist, kann man mit dem Drucken beginnen", erklärt er und zieht die Rakel mit beiden Händen über das Sieb. "Die Farbe sollte dabei gleichmäßig durch das Raster gedrückt werden."

Der Leiter der Siebdruckwerkstatt beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte dieses Druckverfahrens so anschaulich, dass man sich ein gutes Bild von diesem aufwendigen Prozess machen kann. Dann geht er über zum Linolschnitt, den viele schon aus der Schule kennen, zum Holzschnitt und schließlich zur Radierung mit ihren unterschiedlichen Varianten. "Heute wird meist auf eine Zinkplatte gearbeitet," legt er dar, und Gabriele Langendorf fügt das hinzu, was für ihn so selbstverständlich ist: "Hier muss man seitenverkehrt arbeiten."

Die HBK-Professorin, die diesen Rundgang durch die Ausstellung "Drucksachen" im Haus der Ärzte begleitet, weiß, wie wichtig das druckgrafische Arbeiten ist. "Es ist ein Projekt über zwei Semester, bei dem die Studierenden aus allen Fachbereichen sehr viel lernen können." Dabei meint sie nicht nur die Kenntnis unterschiedlicher drucktechnischer Verfahren, sondern auch die Produktion in Serie, die auch viel Ausdauer und Disziplin verlangt. Denn schließlich wird am Ende dieses Wahlpflichtfaches eine Grafikmappe in einer Auflage von 40 bis 60 Exemplaren herausgegeben. "Diese Mappen sind auch als Zeitdokumente zu sehen", sagt sie, als sie vor ausgewählten Werken nicht nur die Vorgehensweise erläutert, sondern auch ein wenig über die Hintergründe plaudert. Seit 1991 editiert die Saarbrücker Kunsthochschule diese hochwertigen Mappen, die mittlerweile die stattliche Zahl von vierzig Exemplaren überschritten haben. Da sie im Laufe der Jahre von unterschiedlichen Professoren betreut wurden, befinden sich beispielsweise in der Mappe von 2004 neben Grafiken von Studenten auch Blätter der Professoren Jo Enzweiler, Heinrich Popp und Sigurd Rompza. Denn bis heute steuern stets auch Lehrkräfte ihren Teil, sprich ihre Grafiken bei.

Wie ein eingespieltes Team führen Langendorf und Rausch durch die Schau und erzählen viele interessante Dinge. Da ist auch zu hören, dass Studenten mitunter sehr experimentell vorgehen und verschiedene Drucktechniken kombinieren. Eindrucksvolle Beispiele werden gezeigt und eines dabei gar aus dem Rahmen genommen: "Diffusgänger" von Marika Pyrszel. Denn das ist ein schöner, in Streifen geschnittener Siebdruck, dessen flanierende Fußgänger durch die Luftbewegungen in echte Bewegung versetzt werden.

 Grafik von Corinna Schneider.
Grafik von Corinna Schneider.
 Grafik von Camille Gergen.
Grafik von Camille Gergen.

Zum Thema:

Auf einen Blick"Drucksachen": bis zum 31. Mai, Ärztekammer des Saarlandes, Faktoreistr. 4, Mo-Do 8-12 und 13.30-16.30 Uhr, Fr 8 -12 Uhr. Gezeigt werden 82 Arbeiten aus fünf Grafikmappen, die unter Anleitung von Ullrich Kerker, Dirk Rausch und Meta Backes entstanden. Am 3. Mai um 17.30 Uhr beginnt die nächste Führung. qb