Herzinfarkt-Patienten sollen schneller versorgt werden

Mit einem Herzinfarkt-Register will das saarländische Gesundheitsministerium gegen die hohe Sterblichkeit unter den Patienten ankämpfen. Vielfach erliegen die der Erkrankung, da ihnen nicht rechtzeitig geholfen werden kann.

Das Saarland belegt einen traurigen Spitzenplatz in Deutschland. Von 3000 Herzinfarkt-Patienten versterben 300. Daskleinste Flächenland lag damit 2015 um mehr als sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt bei der Sterblichkeit durch Herzinfarkt. Für Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU ) ist dies ein Besorgnis erregender Zustand, wie sie gestern vor Journalisten in der Staatskanzlei mitteilte.

Um den zu beheben, will das Ministerium gemeinsam mit der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung (IHF) und den saarländischen Kliniken die medizinische Versorgung bei Herzinfarkt-Patienten beobachten und punktuell verbessern. "Für die Patienten sind nicht etwa mangelhafte Therapien aussschlaggebend, sondern ob die Rettungsärzte den Infarkt rechtzeitig erkennen können", erklärt Anselm Gitt vom IHF. "Mit Hilfe eines Herzinfarkt-Registers suchen wir nach Anhaltspunkten, wo und wie wir die Versorgung verbessern können."

Seit dem 1. Oktober können Patienten ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen. Über sechs Monate hinweg sollen die Daten in ein Register eingespeist werden. Mitarbeiter des Instituts für Herzinfarktforschung setzen die Datensätze in Bezug zur derzeitigen Versorgungslage. Anschließend sollen sie mit den Kliniken und dem Rettungsdienst Lösungs-Vorschläge erarbeiten und umsetzen. In einer letzten Phase von sechs Monaten beobachten die Wissenschaftler die neue Versorgungslage der Infarktpatienten. "Wir können so ermessen, ob unsere Maßnahmen tatsächlich anschlagen", erklärt Gitt. Der Erfolg des Projektes hänge maßgeblich davon ab, dass alle der 3000 Patienten mitmachen. Das Ministerium will deshalb das Herzinfarkt-Register großflächig bei Apotheken, Ärzten oder auch Rathäusern bewerben.

Für Gitt ist es keineswegs neu, über mehrere Jahre die Versorgungs-Lage bei Infarkt-Patienten zu dokumentieren. Er untersuchte bereits Herzinfarktopfer in ländlichen Gebieten von Rheinland-Pfalz. "Wir haben die Krankenwagen so ausgerüstet, dass die wesentlich schneller die Herzmessungen an Krankenhäuser weiterleiten konnten", sagt er. Die Kliniken seien so besser auf Infarktpatienten vorbereitet. In der Folge sank die Zahl der Infarkt-Toten von neun auf sieben Prozent. Einen ähnlichen Effekt erhofft sich Michael Böhm vom Uni-Klinikum Homburg. Allerdings schränkt er ein, dass erst die nächste Generation von Infarkt-Patienten von den Studienergebnissen profitiere.