Helmut Eisel und die sprechende Klarinette

Saarbrücken. "Ahava Raba." Ein Zauberspruch? Beinahe. Gemeint ist der Zauber der Musik. "Ahava Raba" bezeichnet auf Hebräisch eine Klezmer-Tonleiter. Mit ihr hat Helmut Eisel schon als Kind Bekanntschaft geschlossen. Das hat der Saarländer aber erst herausgefunden, als er die jüdische Hochzeitsmusik für sich entdeckte

Saarbrücken. "Ahava Raba." Ein Zauberspruch? Beinahe. Gemeint ist der Zauber der Musik. "Ahava Raba" bezeichnet auf Hebräisch eine Klezmer-Tonleiter. Mit ihr hat Helmut Eisel schon als Kind Bekanntschaft geschlossen. Das hat der Saarländer aber erst herausgefunden, als er die jüdische Hochzeitsmusik für sich entdeckte. Der geliebte Großvater spielte Klarinette, also wollte der Enkel es ihm gleichtun. Als Vierjähriger stand Eisel mit einer Plastikklarinette erstmals auf der Bühne: "Das war eine Tröte - keine echte Klarinette." Die bunten Farben der Tasten, das Spielen nach Farben machte ihm Spaß. Und: Der Großvater machte mit einem faszinierenden Kasten Musik. Knirps Helmut hörte zigmal die Schallplatte "Petite Fleur" von Sidney Bechet.Da für eine echte Klarinette die Hände noch zu klein waren, lernte er erst mal Blockflöte, durchlebte eine Art Grundausbildung, die auf Klarinette übertragbar ist.

Mit neun Jahren bekam er ein Instrument und was man damals so Unterricht nannte. Beim Musikverein Altenkessel bestand der darin, dass die Älteren die Jüngeren anlernten. An diese Zeit erinnert sich Eisel gern. Er spielte Tanzmusik und bekam Kontakt zur Jazzszene der 1960er-Jahre im Jazzkeller Gießkanne in Saarbrücken. Von der Tanzmusik konnte er leben, von der Musik, die er machen wolle, nicht.

Also studierte er Mathematik. Er wurde Informatiker und arbeitete als Unternehmensberater für die Wirtschaft, dann an der Uni. Er machte nebenher Musik und entschied sich irgendwann ausschließlich für die Musik und die Klarinette.

Vor sechs Jahren ließ der Profimusiker Eisel sein Idealinstrument bauen. Der Bamberger Klarinettenbauer Jochen Seggelke tüftelte lange und detailgenau, Ideen und Wünsche wurden berücksichtigt bis Eisel zufrieden war: "Mit der Klarinette werde ich alt", sagt er. Eine Klarinette ist elegant anzusehen, das dunkle Holz, das blitzblanke Metall. Kaum jemand käme auf die Idee, dass die Klarinette aus mehreren Teilen gefertigt ist.

Schnell in fünf Teile zerlegt, passt das Instrument in ein flaches rechteckiges Köfferchen. Die Holzarten - überwiegend Grenadillholz - und unterschiedliche Bohrungen sind wichtige Faktoren, die den Klang eines Instrumentes mitbestimmen.

Überraschend auch, dass der Tonerzeuger ein kleines Rohrblatt ist, ein "Blättchen", das am Mundstück befestigt wird. Lippen- und Stimmtechnik, Zwerchfellmuskulatur, das Lungenvolumen sind bei der Beherrschung der Klarinette von Bedeutung.

Die Faszination der Klarinette besteht für Eisel in der Nähe zur menschlichen Stimme, der Möglichkeit, Geschichten erzählen zu können, und in der Vielfältigkeit.

Eisel ist in mehreren Musikrichtungen zuhause. Als er 1989 Giora Feidman kennenlernt, widmet er sich der Klezmermusik und stellt fest: "Ahava Raba" ist ihm vertraut. Die Klezmer-Tonleiter findet sich auch in "Petite Fleur", jener Melodie, die ihn in Kindertagen begleitet hat.

Er spielt viel Klezmer und Jazz, aber auch an das Mozart-Klarinettenkonzert wagt er sich: "Ein Klassiker hat eine ganz andere Herangehensweise als ich." Auf dem CD-Cover hat Eisel die Augen geschlossen, lehnt zärtlich sein Instrument an die Wange. Wer das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert hört - der fühlt.

helmut-eisel.de

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