Helden und Schurken treten auf

Das Kleine Theater im Rathaus will auch in der neuen Saison ein breites Spektrum des Figurentheaters vom klassischen Marionettenspiel und Handpuppen bis zu Schattenspiel und Performance auf die Bühne bringen. Jede Gruppe tritt nur einmal auf.

Höchst erfreut über den hervorragenden Ruf, den sich das Kleine Theater im Rathaus in der bundesrepublikanischen Szene erarbeitet hat, ist Erik Schrader. Über 90 Prozent Auslastung im Jahr 2014 zeugten von einer "sehr hohen Akzeptanz" der Puppenbühne, sagte Saarbrückens Kulturdezernent jetzt bei der Präsentation des neuen Programms. Dem Intendanten Thomas Altpeter gelinge es immer wieder, "Stücke und Themen zu finden, die auf den ersten Blick nicht populär sind" - und das werde von den Besuchern honoriert, lobte Schrader: Für Saarbrücken sei es wichtig, "dass wir nicht kommerzialisierbare Kultur pflegen".

Altpeter selbst zeigte sich überrascht, dass seine Auswahl so gut angenommen wird, und glaubt, "dass man das Publikum manchmal unterschätzt". Weniger, was gerade im Trend liege, sei sein Ding; vielmehr suche er "nach inhaltlichen und thematischen Gesichtspunkten" aus. Dabei will er sich "nicht nur auf eine Ästhetik beschränken", sondern ein "möglichst breites stilistisches Spektrum des Figurentheaters" (vom klassischen Marionettenspiel und Handpuppen bis hin zu Schattenspiel und Performance) zeigen - und aus Gründen der Vielfalt jede Gruppe nur einmal pro Saison auftreten lassen.

Um Helden und Schurken soll sich die Spielzeit 2015 ranken: Altpeter verspricht "viele große literarische Stoffe" bei den Abendterminen am Samstag (jeweils 19.30 Uhr) und kleine Helden , die sich im Alltag bewähren müssen, zur sonntagnachmittäglichen Kinderstunde (15 Uhr). Da im kommenden Jahr das Theater im Viertel (TiV) sein 25-Jähriges feiert, sollen zwei Produktionen die etwas größere Bühne am Landwehrplatz nutzen: am 7. März "Der Schimmelreiter" mit dem Kobalt Theater Lübeck und am 28. November "Hamlet" mit dem Figurentheater Marc Schnittger aus Kiel.

Saisonstart ist am 21. Februar mit dem Karlsruher Marotte Figurentheater: "Django - Die Rückkehr" heißt "ein harter Western mit Helden aus Weichholz" fürs Abendprogramm. Für Kinder ab drei Jahren schicken die Karlsruher tags darauf Lars aufs Podium, genauer: auf eine Eisscholle, mit der er mutterseelenallein hinaus aufs Meer treibt ("Der kleine Eisbär", 22. Februar). "Foxtrott " wird ein titelgebendes Fuchsmädchen genannt, das ebenfalls Abenteuer in der weiten Welt erlebt (Theater Punkt, Rheinland-Pfalz: 1. März). Kleine Helden für ebensolche Zuschauer sind ferner "Utz, der Unglücksritter" (22. März, Figurentheater Tearticolo von der Mosel), der besonders winzige "Daumesdick" aus dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm (12. April, Figurentheater Weidringer, Erfurt) und "Die Prinzessin auf der Erbse" frei nach Hans Christian Andersen (19. April, Figurentheater Schäfer, Berlin).

An eine erwachsenere Klientel richten sich "Der Glöckner von Notre Dame" nach Victor Hugo des Fuldaer Theater Con Cuore (9. Mai), "Verlorenes Ich" mit Puppenspielerin Elodie Brochier & Co. aus Sarreguemines (11. September, Uraufführung!) und Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" in der Inszenierung von Theatrium Dresden mit einem Schauspieler und 16 Marionetten (31. Oktober).

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