Heiße Fahrtipps über Funk

18- bis 24-Jährige liegen unter den Unfallverursachern weit vorn. Ihnen fehlt oft noch die Erfahrung, wie sie den Wagen wieder in den Griff kriegen. In Dudweiler können sie das üben. Doris Siebert bringt die jungen Leute ins Schleudern. Und sie zeigt, was dann Leben retten kann.

Auf dem Verkehrsübungsplatz des ADAC können nicht nur Anfänger ohne Führerschein risikolos Auto fahren und für die Prüfung trainieren. Dort boten ADAC-Instruktoren seit 2004 auch 16 000 Berufsschülern kostenlos ein Verkehrssicherheitstraining.

Doris Siebert zeigt jungen Leuten, wie sie ihre Autos in den Griff kriegen. Die ADAC-Sicherheitsinstruktorin demonstriert ihnen im Schleuderkurs, wie sie einen ausbrechenden Wagen zurück in die Spur bringen können. Seit Siebert selbst einen schweren Unfall hatte, engagiert sie sich beim ADAC und trainiert junge Leute. Wie viele Unfälle sie damit schon verhindert hat, ist schwer zu messen. Aber: Das Saarland hat bei Unfällen mit jungen Autofahrern im Bundestrend ausnahmslos gute Zahlen vorzuweisen. Sie seien deutlich niedriger, sagt Winfried Pukallus vom ADAC-Vorstand. Doris Sieberts Training könnte dazu beitragen. Die 18- bis 24-Jährigen seien zwar die Altersgruppe mit den meisten Unfällen, aber die Zahlen seien im Saarland erneut gesunken, und zwar von 1413 Unfällen im Jahr 2012 auf 1300 im vergangenen Jahr.

Die Kurse in Dudweiler sollen bei den Ursachen ansetzen: bei der hohen Risikobereitschaft der jungen Fahrer, der fehlenden Praxis und dem geringen Bewusstsein für Gefahren. Mit ein paar Tipps von Siebert wird es spürbar besser. In den Kursen stecken nicht nur Sieberts Wissen, sondern auch Förderer, die sich Verkehrssicherheit etwas kosten lassen.

Der ADAC hat in den vergangenen zehn Jahren mit Partnern 100 000 Euro ausgegeben, um die jungen Fahrer zu trainieren. Die müssen nur einen Tag zum Übungsplatz kommen und den Wagen mitbringen. Junge Männer mit Baseballcaps sitzen am Steuer. Wenn Siebert ruft, lauschen sie gespannt. "Das Training hier ist total klasse", sagt Yannik Bach. Der 20-Jährige saugt die Worte der Trainerin förmlich in sich auf. "Hier lernt man echt was, und es macht einen riesen Spaß", sagt er. Seine Klassenkameraden pflichten ihm bei.

Am Vormittag waren sie durch Ortschaften gefahren. Die Schüler beobachteten ihr Fahrverhalten und sprachen später darüber. Danach ging es auf die Teststrecke. Dort sorgen Fontänen und verschiedene Beläge dafür, dass Autos ins Schlingern kommen und sich um die eigene Achse drehen. Das ist auf dem Übungsplatz aber kein Problem. Hindernisse gibt es dort nicht. Und über Funk sagt die Instruktorin sofort, was zu tun oder zu lassen ist. Die jungen Fahrer bekommen eine zweite Chance und können aus Fehlern lernen. Auf der Straße haben sie diese zweite Chance meist nicht.

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