Harte Proben bei Kaffee und Gummibärchen

Die Volksbühne Hülzweiler wird 60 Jahre alt. Hubert Haupts ist seit 1978 mit kleiner Unterbrechung Vorsitzender, hat die Höhen und Tiefen des Vereins, der aktuell rund 80 Mitglieder hat, miterlebt. SZ-Mitarbeiterin Carolin Merkel hat mit Haupts über den Verein gesprochen.

"Halt, stopp, noch mal, du musst erst die Tasche nehmen und dann durch die Mitte von der Bühne gehen", erklärt Spielleiterin Gisela Haupts. Und für Heike Vono und Uwe Ganns heißt das: Alles auf Anfang. Seit einigen Stunden sind die beiden bereits mit dem Ensemble der Volksbühne Hülzweiler auf der Bühne, das erste intensive Probenwochenende. Bei Kaffee, Kuchen und Gummibärchen halten sich die Akteure bei Laune, gehen die einzelnen Szenen immer wieder durch. "Es ist wie immer ein sehr arbeitsintensives Stück. Wir wissen alle, es dauert gute drei Monate, bis so ein Stück sitzt", erklärt Haupts. Sie muss es wissen, denn die Spielleiterin hat schon viele Jahre Erfahrung bei der Volksbühne Hülzweiler. "Da muss ich manchmal streng sein, damit wir weiterkommen", sagt sie.

"Während der Proben fragt man sich immer mal, warum man sich das antut. Aber spätestens, wenn man dann auf der Bühne steht und das Stück läuft, dann weiß man, wozu die ganze Arbeit war", schwärmt Nadine Schwed. Die 28-Jährige spielt zwei Rollen: Briefträgerin und Ärztin. Auf dem Programm im 60. Jahr der Volksbühne steht die Komödie "Reine Nervensache" aus der Feder von Wolfgang Binder. Der Dreiakter, so verspricht Haupts, ist sehr turbulent, "und die Zuschauer werden herzhaft lachen können." Vor allem über Nicole Infantino, die eine Berliner Putzfrau spielt. Nicht nur ihr ausgefallener Kleidungsstil dürfte das Publikum begeistern, für ihre Rolle hat sie sich auch eine "original Berliner Schnauze" zugelegt. "Am Anfang ist das immer ein bisschen schwierig, aber spätestens zur Generalprobe bin ich voll in der Rolle drin", meint sie. Uwe Hahner feiert ein Jubiläum. Er ist seit 25 Jahren aktiver Darsteller bei der Volksbühne und hat noch immer Spaß, vor Leuten aufzutreten. "Natürlich, die Proben sind anstrengend, wenn man dann auch noch Stress bei der Arbeit hat, muss man schon mal auf die Zähne beißen", sagt Hahner, der den erfolglosen Schriftsteller Matthias Hansen gibt. Seine Rolle sitzt; aber Hahner wird nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Bühnenbauer gebraucht.

Die Volksbühne spielt das Stück "Reine Nervensache" - ein traumatisches Erlebnis von Wolfgang Binder am Samstag, 29. März, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 30.März, um 17 Uhr im Haus für Kultur und Sport in Hülzweiler. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7,50 Euro (Vorverkauf: 6,50 Euro), ermäßigt sechs Euro, Kinder bis sechs Jahre sind frei. Vorverkauf im Rathaus Schwalbach sowie bei Tabakwaren Baltes und Uhren-Schmuck Helfen in Hülzweiler. Reservierungen und Infos: Tel. (0 68 31) 5 85 24.

volksbuehne-huelzweiler.de

Herr Haupts, wie ist die Volksbühne entstanden?

Hubert Haupts: Damals, vor 60 Jahren haben sich die drei Theatervereine Veritas, Thalia und die katholische Spielschar zu einem neuen, etwa 400 Mitglieder starken Theaterverein in Hülzweiler zusammengeschlossen. Schon damals wurden vor allem Volksstücke aufgeführt, für die Zuschauer waren die Aufführungen im "Strauß-Matz" eine feste Institution. Aber auch schon damals zog es die Menschen in die Natur, die Aufführungen auf der Freilichtbühne waren ebenso begehrt.

Wie stand der Verein da, als sie ihn 1978 übernommen haben?

Haupts: Meine Amtszeit begann mit einer turbulenten Generalversammlung, an deren Ende die Tanzgruppe den Verein verließ und wir mit sechs D-Mark und fünf aktiven Spielern da standen. Doch wir haben gekämpft, den Verein wieder aufgebaut, eine Jugendgruppe ins Leben gerufen und die Jugend für den Verein erhalten können, was uns sehr stolz macht.

Wie hat sich das Verhalten des Publikums in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Haupts: Anfangs war es ganz schwierig, die Menschen vom Fernseher wegzulocken. Wir mussten da schon um die Zuschauer kämpfen. Trotz der vielfältigen Möglichkeiten heute sehen wir in den vergangenen Jahren aber dennoch eine positive Entwicklung zugunsten des Theaters. Die Zuschauer kommen, unsere Aufführungen sind begehrt, gerade die jüngere Generation zieht scheinbar ein Live-Erlebnis dem Kino oder Fernsehen vor. Das haben wir besonders vergangenes Jahr, als wir den Klassiker "Der verkaufte Großvater" gespielt haben, gemerkt.

Was erwartet die Fans der Volksbühne im Jubiläumsjahr?

Haupts: Zum einen natürlich wie in jedem Jahr unser Saalstück im Frühjahr. Hier spielen die Akteure unter der Regie von Gisela Haupts das Stück "Reine Nervensache". Höhepunkt werden aber die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne sein. Dort gibt es in diesem Jahr ab der Premiere am 13. Juli die Operette "Im weißen Rössl am Wolfgangsee". Unter unserer musikalischen Leiterin Sandra Becker hat sich bereits ein Projektchor mit mehr als 40 Sängern gegründet, die Vorbereitungen laufen. Karten zu den insgesamt acht geplanten Aufführungen wird es ab dem 31. Mai geben.

Was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft?

Haupts: Vor allem hoffe ich, dass der Theaterverein Hülzweiler weiter Bestand haben wird. Ich glaube, eine Gemeinde wie Schwalbach hat wenigstens einen aktiven Theaterverein verdient.