Handys sind an fast allen Saarbrücker Schulen tabu

Handys können mächtig nerven. Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon überlässt es den Schulen, den Gebrauch der Geräte zu regeln. Die meisten Saarbrücker Schulen fanden folgende Lösung: Mitbringen ist erlaubt, Einschalten aber verboten.

Ob störende Klingeltöne im Unterricht oder Cybermobbing auf dem Schulhof: Moderne Handys können ein Störfaktor oder sogar eine Gefahr sein. Daher haben die 17 befragten weiterführenden Schulen in Saarbrücken Regeln zur Handynutzung in ihre Hausordnungen aufgenommen - Regeln, die nicht alle gleich sind.

Bildungsminister Ulrich Commerçon überlässt Schulen die Entscheidung: "Meiner Meinung nach werden vereinzelte Probleme, die durch die Smartphone-Nutzung entstehen, nicht dadurch gelöst, dass man von oben herab eine einheitliche, allgemein formulierte Regelung vorgibt." 14 von 17 der befragten Schulen haben entschieden: Mobiltelefone dürfen mitgebracht werden, müssen aber auf dem Schulgelände ausgeschaltet sein. Auch die Funktion "lautlos" ist für sie keine Option. Die wenigen Ausnahmen sind das Otto- Hahn-Gymnasium, das Gymnasium am Rotenbühl und das Deutsch-Französische Gymnasium. Sie alle erlauben die Nutzung auf dem Schulhof, im Gebäude allerdings nicht. Nur das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium (WWG) erlaubt sogar Handys im Gebäude. Zum Unterricht müssen sie dann aber ausgeschaltet werden. Schulleiter Wolfgang Müller-Wind: "Als Oberstufengymnasium können wir von unseren Schülerinnen und Schülern einen verantwortungsvollen Umgang erwarten." Sollten Schüler gegen das Handyverbot verstoßen, drohen ihnen auf allen Schulen ähnliche Konsequenzen: Das Handy wird einkassiert, meist in einem Tresor verwahrt und kann entweder noch am selben oder am folgenden Tag abgeholt werden. Manchmal von dem Schüler selbst, oft aber darf es nur ein Erziehungsberechtigter in Empfang nehmen. Ulrike Kleer, Leiterin der Gemeinschaftsschule Rastbachtal, sagt: "Im Mai landeten bei uns 15 Handys im Sekretariat." Auch das Arbeiten mit elektronischen Geräten im Unterricht handhaben die Schulen unterschiedlich.

Wolfgang Müller-Wind vom WWG: "Zum Recherchieren können die Geräte im Unterricht freigegeben werden, wenn ein Fachlehrer dies wünscht. Wir haben ein flächendeckendes WLAN-Netz."

Pia Götten, Leiterin der Gemeinschaftsschule Bruchwiese, sieht das anders: "Wir haben genügend elektronische und internetfähige Geräte, mit denen wir online gehen können, wenn wir wollen".

Eine Umfrage unter Saarbrücker Schülern ergab, dass manche die Handy-Regeln ihrer Schule gar nicht kennen. Birk Blechschmidt (16) vom Gymnasium am Rotenbühl aber weiß, dass dort Handyverbot im Schulgebäude herrscht. "Die konsequente Umsetzung der Regel hängt jedoch von der jeweiligen Aufsichtsperson ab." Ähnliches gilt am Willi Graf-Gymnasium. Lea Thiel (17) bemängelt: "Jeder hat sein Handy an, aber niemand bemerkt es." Viel besser sei es, die Nutzung während der Pausen zu erlauben, da sowieso niemand das Verbot beachte, sagt Stephanie Sommer (17) vom Willi-Graf-Gymnasium. Fabian Konrad (16) von der Gemeinschaftsschule Rastbachtal findet, in der Pause könne man das Handy ruhig anlassen. Karina Arutinova (16) vom Gymnasium am Rotenbühl erklärt, dass man vor Klassenarbeiten sein Handy in der Regel abgeben müsse. Doch nicht bei allen Lehrern sei dies so. "Spicken mit dem Handy ist Alltag", sagt ihr Mitschüler Tobias Müller (17), der wie viele andere Befragte sagt, er könne Betrugsversuche mit dem Handy bezeugen. Birk Blechschmidt kann sich vorstellen, das Smartphone sinnvoll in der Schule zu nutzen: "Nützliche Anwendungen ersparen das Mitbringen von Wörterbüchern, und in Physik kann es bei Experimenten als Stoppuhr verwendet werden." Kommunikationsplattformen könnten über ausfallenden Unterricht oder Schulgeschehnisse informieren.