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Handwerker warten aufs Land

Darf die Handwerkskammer hier bauen? Der Wunsch-Bauplatz an der Saarbrücker Westspannge für die neue Bildungsstätte. Foto: Dietze
Darf die Handwerkskammer hier bauen? Der Wunsch-Bauplatz an der Saarbrücker Westspannge für die neue Bildungsstätte. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Der Neubau einer Bildungsstätte der Handwerkskammer (HWK) verzögert sich, weil die Zukunft des angrenzenden Ex-Kulturministeriums an der A 620 unklar ist. Ein Jahr Aufschub hat HWK-Präsident Bernd Wegner für die Bundesfördergelder in Höhe von 18 Millionen Euro ausgehandelt. Cathrin Elss-Seringhaus

Ein Plan B ist für die 40-Millionen-Euro-Investition bereits in der Mache - die Suche nach Alternativ-Standorten. Wie Handwerkskammerpräsident Bernd Wegner auf SZ-Nachfrage darlegt, will die Kammer ihre neue Bildungsstätte zwar immer noch am liebsten in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Verwaltungsgebäude in der Saarbrücker Hohenzollernstraße bauen, nämlich auf den Parkplatz direkt gegenüber. Dazu braucht sie zusätzliche Flächen, die dem Land gehören und die ein "Politikum" tangieren: den umstrittenen Erhalt des denkmalgeschützten Ex-Kulturministeriums ("Pingusson-Bau").

Der HWK-Parkplatz grenzt an das Kulturdenkmal samt Park, das der französische Architekt Georges-Henri Pingusson Anfang der 50er Jahre als französische Botschaft entwarf. Dort steht eine Grundsanierung an, Gerüchte über immense Kosten kursieren. Seit Jahren lässt eine solide Kostenermittlung auf sich warten, obwohl Gutachten vorliegen. Ein angeblich letztes ist in Arbeit. Von "Blockaden" im Finanzministerium und von "Verschleppung" ist die Rede. Offensiv vertritt die These einer vorsätzlichen Hängepartie der Chef des Landesdenkmalrates Henning Freese.

Ursprünglich hätte die Kammer bis Ende 2014 Gewissheit über den Bauplatz gebraucht, um beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das laut Wegner bereits grünes Förder-Licht für die Bildungskakademie erteilt hatte, Fortschritte zu dokumentieren. Laut Wegner, der auch CDU-Landtagsabgeordneter ist, unterstützt der Bund Einrichtungen der beruflichen Bildung mit 45 Prozent der Investitionssumme. "Die zugesagten 18 Millionen Euro sind vorerst nicht in Gefahr", sagt Wegner. Er habe beim Bafa Aufschub bis Jahresende erwirkt. Dadurch verzögere sich jedoch auch die geplante Fertigstellung um rund ein Jahr, auf 2019. Was die Finanzierung angeht, so hat Wegner nach eigener Aussage die Kostenbeteiligungszusage des Landes, die Höhe des Zuschusses sei jedoch noch nicht klar. Üblich sei eine Landesbeteiligung von 25 Prozent (Zehn Millionen Euro ), die Kammer selbst steuere 30 Prozent (Zwölf Millionen Euro ) bei.

Könnte die HWK nicht auch zur Rettung des Denkmals beitragen, indem sie das Pingusson-Hochhaus bezieht? Diese Möglichkeit hatte Wegner vor wenigen Monaten ausgeschlossen. Denn die HWK benötige lediglich Büros für rund 100 Mitarbeiter. Jetzt sagt er: "In einem solchen Fall müsste es Mitnutzer geben."

In der neu zu bauenden Bildungsstätte, für die ein Architektenwettbewerb vorgesehen ist, sollen drei Kompetenzzentren konzentriert werden: die Führungskademie für Selbstständige, der Aus- und Weiterbildungsbereich "Unterstützendes Wohnen" sowie die Metallwerkstatt. Der Neubau ist niedriggeschossig vorgesehen, er soll das Denkmal weder verdecken noch bedrängen. Wie Wegner darlegt, prüfe die Kammer auch Standort-Alternativen. Nach SZ-Recherchen wurde der Saartoto-Parkplatz in Erwägung gezogen. Auch ein Gelände am Eurobahnhof kommt wohl in Betracht.


Meinung:
Bummelei beenden

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Der Pingusson-Bau ist mehr als das Hobby von Denkmalschutz-Freaks. Er ist Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung eines gesamten Stadtquartiers. Das müsste spätestens jetzt klar sein, da sich eine millionenschwere Zukunftsinvestition der Handwerkskammer mit dem Schicksal des Denkmals verzahnt. Irgendwann ist die Zeit-Sanduhr leer. Wie bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die will jetzt lieber nach Kirkel abwandern als sich länger auf das Utopia eines "Pingusson-Campus" einzulassen, das bisher nur verbal, aber nicht auf Plänen existiert. All dies ist ein Indiz für die hohe Dringlichkeit einer Grundsatz-Entscheidung der Landesregierung: für oder gegen Erhalt.