Gute Zeiten für Busfahrer

Saarbrücken · Nicht zuletzt wegen der boomenden Fernbuslinien sind Fahrer begehrt. Die Unternehmen suchen Hände ringend gute Leute und stellen auch über 60-Jährige ein. Busfahrer können sich derzeit ihren Job aussuchen.

 Alexander Senzig (rechts) schulte um und wechselte vom Güterverkehr in den Personentransport. Sein Chef Andreas Baron (links) sucht bewusst nach Quereinsteigern. Foto: Rolf Ruppenthal

Alexander Senzig (rechts) schulte um und wechselte vom Güterverkehr in den Personentransport. Sein Chef Andreas Baron (links) sucht bewusst nach Quereinsteigern. Foto: Rolf Ruppenthal

Foto: Rolf Ruppenthal

"Speed Dating" ist ein Begriff aus der Partnerfindung zu privaten Zwecken. Dass diese "Geschwindigkeits-Anbahnung" auch im Wirtschaftsleben Einzug hält, deutet auf akute Nöte bei der Personalgewinnung hin. So kam es kürzlich in Saarlouis zu einem "Speed Dating", bei dem sich ein halbes Dutzend Busunternehmer und Spediteure, der Landesverband Verkehrsgewerbe und etwa 80 potentielle Fahrer trafen, darunter auch frühere Büroleute, Arbeiter und Freischaffende.

Beide Seiten beschnupperten sich in Kurzgesprächen, und flugs waren fünf Praktika, eine Anstellung und zwei geplante Anstellungen unter Dach und Fach. "Ein sehr großer Erfolg", resümierte Birgit Steiner, Leiterin der Servicestelle "Ü 55" bei "saar.is" in Saarbrücken . Der vom Land getragene und bei der IHK angesiedelte Dienstleiter für die Saarwirtschaft (früher unter dem Namen ZPT bekannt, Zentrale für Produktivität und Technologie), hatte die Veranstaltung ins Leben gerufen.

Nach Beobachtung von Steiner sind vor allem Mitarbeiter über 50, oft sogar über 60 Jahre derzeit als Berufsfahrer sehr begehrt. Nicht zuletzt durch den Boom bei Fernbussen und den Ausfall der Bundeswehr als Ausbilder fehlen deutschlandweit tausende Chauffeure. Früher hatten viele Wehrpflichtige den Lkw-Schein "beim Bund" erworben. Ein Betrieb aus dem Kreis Neunkirchen suchte kürzlich per Inserat Hausfrauen für den Schülertransport, wobei er in Aussicht stellte, die Führerscheinkosten zu tragen.

Andreas Baron, Geschäftsführer des familieneigenen Busbetriebes in Dorf im Warndt (Großrosseln), hat bereits 65 feste Fahrer, "sucht aber immer gute Leute" und macht die "Glückstreffer" nicht selten mit Seiteneinsteigern in fortgeschrittenem Alter. Die seien oft besonders zuverlässig, souverän und lebensklug. Übrigens auch körperlich belastbarer als manche junge Leute. Eben weil sie mehr auf Ernährung und Sport achteten. Wie etwa Alexander Senzig. Der 54-Jährige aus dem Ort war früher Fahrer bei einer Mühle, dann im körperlich anstrengenden Güterfernverkehr tätig, ehe er in der Zeitung von Barons Inserat las. So schulte er mit 50 zum Kurzstrecken-Busfahrer um und ist glücklich mit dem Wechsel und dem Verdienst. Wie er erzählt, sei es schon eine deutliche Umgewöhnung, statt eines 30-Tonners mit Stückgut einen Bus zu rangieren, nicht nur wegen der Menschen, die man nicht wie eine Fracht behandeln dürfe. Wobei die Unternehmen versichern, hier niemanden ins kalte Wasser zu werfen.

Ein Busfahrer komme heute auf einen Grundlohn von 2200 Euro plus Zuschlägen und Prämien und verdiene mehr als in den letzten Jahren, verrät Baron, der aus Gründen der Knappheit auch "über akuten Bedarf" einstellt, wenn ihm ein geeigneter Bewerber begegnet. Die Kosten für den Führerschein, die bis zu 7000 Euro betragen, werden oft von der Arbeitsverwaltung getragen, wenn eine spätere Anstellung als wahrscheinlich gelte. Der Wettbewerb der Busbetriebe um Fahrer wird nach Worten von Andreas Baron in unserer Region aber fair ausgetragen. Es gehöre sich nicht, Mitarbeiter von anderen Unternehmen offensiv abzuwerben.

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