Grundschullehrer schlagen Alarm

Saarländische Grundschullehrer fühlen sich mit der Umsetzung der Inklusion und der Betreuung von Flüchtlingskindern im Stich gelassen. Die Unterstützung des Bildungsministeriums reicht für sie nicht aus.

Lehrermangel, unbesetzte Stellen, gemeinsamer Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten - und nun auch die Integration von immer mehr Flüchtlingskindern: Saarländische Grundschullehrer fühlen sich überlastet und gehen deswegen jetzt sogar auf die Straße. Für kommenden Dienstag, 9. Juni, um 17 Uhr hat der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) zur einer Kundgebung vor der Saarbrücker Staatskanzlei aufgerufen.

Für die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch ist die Personalsituation in den saarländischen Grundschulen kritisch. "Im Gegensatz zu den Gymnasien sind die Wartelisten für Grundschullehrer leer", stellt sie fest. Bei Ausfällen müssten Examenskandidaten als Vertretung einspringen oder die Schulleiter. Zugleich wollten immer weniger Grundschullehrer Schulrektor werden - so dass derzeit drei Leitungs- und neun Konrektorenstellen unbesetzt seien. Ein Grund: Wegen des hohen Anteils an eigenem Unterricht sei es für die Führungskräfte schwer, ihren Verwaltungsaufgaben nachzukommen. "Wir fordern eine Anhebung der Leitungszeiten auf 50 Prozent der Unterrichtszeit", sagt Brausch. Auch die Oppositionsparteien von Linken, Grünen und Piraten rufen nach Entlastung. Barbara Spaniol , Linksfraktion, fordert für jede Grundschule eine Konrektorenstelle.

Während die Personaldecke immer dünner wird, steigen die Anforderungen an den 2150 Grundschullehrer . Viele fühlen sich mit der Umsetzung der Inklusion - dem gemeinsamen Unterricht Behinderter und Nichtbehinderter - überfordert. "Sie wurden nicht als Sonderpädagogen ausgebildet und fühlen sich für diese Aufgaben nicht gewappnet", sagt Brausch. Kritik dazu kommt auch von der Landtagsabgeordneten der Piraten, Jasmin Maurer : "Die Inklusion ist gut. Doch die Umsetzung zum Nulltarif greift zu kurz." Diesem Vorwurf widerspricht Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ). "Für die Inklusion haben wir die Schulen mit einem festen Personalbudget ausgestattet, das je nach Situation vor Ort etwas variiert", sagte er der Saarbrücker Zeitung. Für die Grünen reicht das nicht aus. Sie fordern, zusätzliche Erzieher mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung an den Grundschulen einzusetzen, solange nicht genügend Förderschullehrer zur Verfügung stünden, wie der Landtagsabgeordnete und Ex-Schulminister Klaus Kessler mitteilte.