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Grüne Natur statt Beton

Das Naturschutzgebiet „Wolferskopf“ bei Beckingen, wo besonders viele Orchideen wachsen, war das erste große Schutzprojekt der Naturlandstiftung Saar. Foto: Nabu
Das Naturschutzgebiet „Wolferskopf“ bei Beckingen, wo besonders viele Orchideen wachsen, war das erste große Schutzprojekt der Naturlandstiftung Saar. Foto: Nabu FOTO: Nabu
Saarbrücken. Seit 40 Jahren kauft die Naturlandstiftung Saar ökologisch wertvolle Flächen, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt für die Nachwelt zu schützen – inzwischen umfasst die Fläche der Schutzgebiete knapp 3000 Fußballfelder. Bundesumweltministerin Hendricks lobte die Arbeit der Stiftung als beispielhaft. Udo Lorenz

Ob in einer Saar-Gemeinde eine neue Straße gebaut wird, ein neues Gewerbe- oder Wohngebiet enststeht: Beim Eingriff in den Naturschutz muss zum Ausgleich nach einem ausgeklügelten Punktesystem eine geschützte Ersatzfläche her - und der Erfinder dieser Ökokonten-Regelung ist die Naturlandstiftung Saar (NLS), die am Freitag im Saarbrücker Schloss ihr 40-jähriges Bestehen feierte.



Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD ) kam zum Jubiläum an die Saar und lobte die hier entstandene, älteste Naturschutzstiftung Deutschlands als modellhaft und mit ihrer Arbeit beispielgebend für andere Länder. "Wenn wir den Naturschutz voranbringen wollen, brauchen wir so starke Partner wie die Naturlandstiftung Saar ", sagte sie.

Orchideenwiesen im Biosphärenreservat Bliesgau, ein Urwald vor den Toren der Stadt Saarbrücken oder das Bioland-Hofgut Imsbach in Theley mit Metzgerei und Bio-Imbiss - die Liste der Schutzgebiete und Projekte, um die sich die Naturlandstiftung Saar mit ihren 22 Mitarbeitern, vier Rangern und zusätzlichen nebenamtlichen Honorarkräften kümmert, ist lang. Umgerechnet knapp 3000 Fußballfelder umfassen alleine die von der Stiftung betreuten Schutzgebiete. "Unsere Hauptaufgabe ist es, landschaftsökologisch wertvolle Flächen zu erwerben, zu sichern und zu erhalten, um unsere heimische Pflanzen- und Tierwelt für die Nachwelt zu schützen", sagte Eberhard Veith, der seit über drei Jahrzehnten die Geschäfte der Stiftung führt.

Rund 1,8 Millionen Euro beträgt der Jahresetat der Stiftung, einschließlich des Ankaufs von für den Naturschutz geeigneten Flächen über eine eigene Tochter-GmbH. Diese Tochter ÖFM finanziert sich selbst. Die Stiftung wird über Projektzuschüsse von Bundesregierung, EU, Saarland und Mitteln von Saartoto unterstützt. Laut Ministerin Barbara Hendricks hat der Bund seit Bestehen der Stiftung rund 40 Millionen Euro in die Projektförderung gesteckt.

Ins Leben gerufen wurde die gemeinnützige private Stiftung 1976 mit einem Startkapital von 25 000 D-Mark vom früheren Saar-Minister Rainer Wicklmayr (CDU ), dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Saarwald-Verein , der Vereinigung der Jäger des Saarlandes und dem Bund für Vogelschutz (heute NABU Saarland).

Im Stiftungsrat mit derzeit 18 ehrenamtlichen Mitgliedern sitzen Naturschützer und Naturnutzer an einem Tisch, Repräsentanten der Landesregierung neben Vertretern von Bauern- und Fischereiverband ebenso wie von Landkreistag und Kommunen. Mit diesem Stiftungsrat, in dem Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) derzeit den Vorsitz hat und der 86-jährige Wicklmayr Ehrenvorsitzender ist, gelang es laut Geschäftsführer Veith auch schnell, einstige Konflikte mit einzelnen Bauern und Grundstücksbesitzern beim Flächenerwerb für den Naturschutz auszuräumen.

Umweltminister Jost sagte, das Saarland sei nicht nur ein starker Industriestandort, sondern zeige als eine der waldreichsten Regionen in Deutschland auch beim Naturschutz , dass "Kleines im Großen entsteht". Mit 16 Prozent Bioland-Anteil sei man bundesweit mit führend.

Erstes Schutzgebiet der Stiftung war das Gelände der alten Backsteinfabrik in Dirmingen, erstes Naturschutzgroßprojekt der "Wolferskopf". Mittlerweile besitzt die Stiftung mehr als hundert geschützte Gebiete. Seit 1986 unterhält sie Pflegetrupps und schaffte schon damals erste Landschaftspflege-Maschinen an. Zu den Meilensteinen der Stiftungshistorie gehören auch die Projekte Ill-Renaturierung (1992), Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe (1995) sowie die Gründung der Naturwacht Saar (2005) und die Übernahme des Hofguts Imsbach (2007).